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	<title>Sandra Schmid: Journalistin</title>
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	<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 16:41:01 +0000</pubDate>
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		<title>Eine Hochschulregion will nach oben</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 16:35:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Die Unis in Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen wollen das Ruhrgebiet gemeinsam zum Blühen bringen. Rückenwind gibt ihnen dabei einmal mehr die Mercator-Stiftung. Mit 22 Millionen Euro fördert die Stiftung Talente und Projekte, die dem wissenschaftlichen Aufstieg dienen. Jetzt endete die erste Ausschreibung.
Deutsche Universitätszeitung - 24. Juli 2010
Allein das mehrstufige Auswahlverfahren nach dem Vorbild der Deutschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Unis in Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen wollen das Ruhrgebiet gemeinsam zum Blühen bringen. Rückenwind gibt ihnen dabei einmal mehr die Mercator-Stiftung. Mit 22 Millionen Euro fördert die Stiftung Talente und Projekte, die dem wissenschaftlichen Aufstieg dienen. Jetzt endete die erste Ausschreibung.</strong></p>
<p>Deutsche Universitätszeitung - 24. Juli 2010<a id="more-99"></a></p>
<p>Allein das mehrstufige Auswahlverfahren nach dem Vorbild der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zeigt, wie ernst es den drei benachbarten Hochschulen und der Mercator Stiftung damit ist, das Ruhrgebiet zu einer der ersten Wissenschaftsadressen in Deutschland zu machen - gleichauf mit Standorten wie München oder Berlin. Wer Fördergelder des gemeinsam gegrundeten Mercator Research Centers Ruhr (Mercur) erhalten will, muss nicht nur den internen Aussiebeprozess an einer der Hochschulen überstehen, sondern auch externe, unabhangige Gutachter und den wissenschaftlichen Beirat von Mercur überzeugen, dem ebenfalls nur renommierte Wissenschaftler angehören, die keinerlei Verbindung zu den Ruhrgebiets-Hochschulen haben dürfen. So soll sichergestellt werden, dass tatsächlich nur die besten Projekte und Hochschullehrer gefördert und nicht nachdem &#8216;Gieskannenprinzip&#8217; alle drei Universitaten gleichermaßen gefördert werden. &#8220;Was im Großen mit der DFG funktioniert, kann auch im Kleinen funktionieren&#8221;, beurteilt Dr. Frank Staudner, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Stifterverband, das Verfahren. Wegweisend sei der Ansatz, durch &#8220;freundschaftliche Konkurrenz&#8221; mehr Kooperation zwischen den Unis zu initiieren. </p>
<p><strong>Von null auf Hundert</strong></p>
<p>Kooperation und Konkurrenz als Schlüssel zu exzellenter Wissenschaft? Unser Ziel ist, die Forschungspotenziale der einzelnen Universitaten zu stärken und gleichzeitig die Kooperation untereinander zu fördern, sagt Mercur-Direktor Prof. Dr. Winfried Schulze. Deshalb unterstützt Mercur bewusst nicht nur einzelne Profs und Projekte, sondern auch gerade über die Strukturforderung interuniversitare Zentren. So könnten die Ruhrgebiets-Unis, die bislang noch nicht in der &#8220;allerersten Reihe&#8221; mitspielten, ihr Profil schärfen und im Wettbewerb um die Berufung renommierter Wissenschaftler punkten, erklärt Schulze, der von 1998 bis 2001 Vorsitzender des Wissenschaftsrates war. Die Gelegenheit lassen sich die Unis nicht entgegen: Die Resonanz auf die erste Ausschreibung im Mai war groß. Binnen zwei Monaten gingen mehr als 100 Antragsskizzen ein. 40 davon wurden nach der inneruniversitaren Prüfung zum weiteren Verfahren zugelassen. Auch wenn das Mercator Research Center, was die Auswahl angeht, fast wie eine Art regionale DFG funktioniert, es gibt einen Unterschied: Anders als die DFG zielt Mercur nicht nur auf Forschung ab, sondern auch auf die Lehre. So können hier nicht nur fur Forschungs-, sondern auch Lehrprojekte Fördergelder beantragt werden.<br />
<strong><br />
Die Lehre geht leer aus</strong></p>
<p>Bei der ersten Antragsrunde wurde dieses Angebot allerdings kaum genutzt: &#8220;Leider wurde kein einziger Antrag gestellt, der etwa auf die Konzeption eines Studiengangs hinausläuft&#8221;, sagt Schulze. Eine Quote fur die Lehre halt der Mercur-Leiter trotzdem nicht für sinnvoll. Er ist optimistisch, dass die<br />
Zahl der Antrage fur Lehrprojekte in Zukunft steigen wird. Die Hochschulen hätten in der ersten Runde die Antrage unter Zeitdruck formulieren müssen und daher hauptsachlich versucht, bestehende Forschungsinteressen zu kooperativen Projekten zu bündeln. &#8220;Ich gehe deshalb davon aus, dass sich die Verteilung zwischen Forschungs- und Lehrprojektantragen in den kommenden Antragsrunden ändern wird.&#8221; Doch immerhin wurde das Signal für mehr Zusammenarbeit gehort: Zwar gingen insgesamt mehr Anträge zur Förderung von Forschungsprojekten ein als Strukturforderungsantrage,<br />
doch wurde die Mehrheit der Projektantrage von drei oder zumindest zwei Universitaten gemeinsam gestellt. Das wertet Winfried Schulze als ermutigendes Zeichen: &#8220;Der Impuls zur Kooperation hat gewirkt.&#8221;</p>
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		<title>Die Starthelfer</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 10:11:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Professionelle Mentoring-Programme sollen den Berufseinstieg erleichtern. Es gibt sie längst nicht mehr nur für Frauen
DIE ZEIT - 7. Januar 2010 
Odysseus ernannte den besten Freund zum Beschützer seines Sohnes. Er sollte dem jungen Telemach während Odysseus’ Abwesenheit zur Seite stehen. Der Name des Freundes: Mentor. Heute ist dieser Mentor aus Homers Epos zum Synonym und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Professionelle Mentoring-Programme sollen den Berufseinstieg erleichtern. Es gibt sie längst nicht mehr nur für Frauen</strong></p>
<p>DIE ZEIT - 7. Januar 2010 <a id="more-97"></a></p>
<p>Odysseus ernannte den besten Freund zum Beschützer seines Sohnes. Er sollte dem jungen Telemach während Odysseus’ Abwesenheit zur Seite stehen. Der Name des Freundes: Mentor. Heute ist dieser Mentor aus Homers Epos zum Synonym und Ideal des älteren und wohlwollenden Beraters geworden. In allen Bereichen von Ausbildung und Beruf fand und findet man Förderer: Meister, Doktorväter – oder auch die sogenannten Alten Herren, die als Ehemalige nicht nur ihre frühere Studentenverbindung finanziell unterstützen, sondern auch den Verbindungsnachwuchs mit reichlich Vitamin B protegieren. Ein System der Nachwuchs- und Karriereförderung allerdings, das jenseits von persönlicher Sympathie, gesellschaftlichem Status oder Zugehörigkeit zu einer Verbindung funktioniert, war bislang in deutschen Universitäten und Unternehmen kaum ausgebildet. Und: Seilschaften, die das Erklimmen der Karriereleiter in Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik erleichtern, gab es oft nur für Männer.</p>
<p><strong>&#8220;Die Soft-Skills würdigen&#8221;</strong><br />
Professionelle Mentoring-Programme sollen das durchbrechen. &#8220;Wir wollen keine Mauschelei mehr, sondern eine Würdigung der Soft Skills&#8221;, sagt Christine Kurmeyer, Vorsitzende des &#8220;Forum Mentoring&#8221;. Ein Grund, weshalb sich die ersten universitären Projekte in Deutschland zu Beginn der neunziger Jahre ausschließlich an Frauen richteten. Sie sollten dabei unterstützt werden, endlich in traditionelle Männerdomänen wie die Naturwissenschaften oder gar in Führungspositionen vorzudringen. Auch viele Unternehmen erkannten die Vorteile des Mentoring: Siemens organisierte mit Yolante ein internes Programm, um hoffnungsvollen weiblichen Nachwuchskräften den Weg in die Führungsetage zu erleichtern. Andere kooperieren gezielt mit universitären Initiativen – wie etwa dem &#8220;MentorinnenNetzwerk&#8221;.</p>
<p><strong>Täglich neue Projekte</strong><br />
Inzwischen gibt es schätzungsweise zwischen 100 und 200 solcher Programme an deutschen Hochschulen – und längst nicht nur an so großen wie in Berlin oder München. Der Fokus ist unterschiedlich: Die einen sind weiterhin ausschließlich für Frauen gedacht, die anderen für beide Geschlechter. Manche Programme richten sich an alle Studierenden einer Uni, manche nur an die bestimmter Fachbereiche. Einige kooperieren mit anderen Hochschulen oder sogar Unternehmen. Die Mentoring-Landschaft ist aber auch aus einem anderen Grund unübersichtlich: Täglich entstehen neue Projekte, andere wiederum werden eingestellt. Insgesamt sei die Tendenz jedoch &#8220;stetig steigend&#8221;, sagt Christine Kurmeyer. Nicht zuletzt, weil viele Bundesländer und auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft Mentoring mit speziellen Fördergeldern unterstützen.</p>
<p>Eine, die herausgefunden hat, was Mentoring bedeuten kann, ist Ilka Olbrich. Beim &#8220;MentorinnenNetzwerk&#8221;, das speziell den Berufseinstieg von Studentinnen aus naturwissenschaftlichen und technischen Fächern fördert, traf die 26-Jährige auf Gudrun Sauer. Diese war als Physikerin bei Fresenius tätig. &#8220;Ein irrer Glücksfall&#8221;, erzählt Ilka. Denn die 39-jährige Gudrun Sauer wurde nicht nur ihre Mentorin, sie setzte sich auch dafür ein, dass die Studentin ihre Diplomarbeit bei ihrer Firma schreiben konnte.</p>
<p><strong>Individuelles Feedback</strong><br />
Das Prinzip von Mentoring ist simpel. Jüngere profitieren von der Erfahrung und den Kontakten Älterer. Konkret bedeutet das: Eine Führungskraft begleitet einen Studenten oder Berufsanfänger in der Regel ein Jahr lang, meist in der entscheidenden Übergangsphase zwischen Uni-Abschluss und Berufseinstieg. Dies wird bei professionellen Programmen oft von zusätzlichen Veranstaltungen flankiert: Workshops zu Themen wie &#8220;Soft Skills&#8221; oder &#8220;Coaching&#8221; richten sich bewusst an Mentees und Mentoren: Schließlich braucht so manche Führungskraft mit Vollzeitjob eine Motivation, um sich zusätzlich zu engagieren. Im Kern geht es beim Mentoring jedoch um den persönlichen Kontakt zwischen Mentor und Mentee: In regelmäßigen, vertraulichen Gesprächen ist Platz für ganz praktische Tipps zu Praktika oder Stellen, aber auch für die großen Fragen, etwa wohin es beruflich gehen soll. Weil alles unter vier Augen bleibt, kann offen geredet werden. So ist gerade ein Mentor in der Lage, etwas zu geben, was oft in der Uni oder am Arbeitsplatz zu kurz kommt: ein individuelles Feedback. Wie oft sich Mentor und Mentee treffen, hängt von dem einzelnen Tandem ab. Ilka Olbrich und ihre Mentorin Gudrun Sauer arbeiteten bei Fresenius Tür an Tür. &#8220;Da haben wir uns natürlich täglich gesehen&#8221;, sagt Olbrich. Die Mentorin war so jederzeit für sie erreichbar.</p>
<p><strong>Tipps aus der Praxis</strong><br />
Doch nicht nur Diplomanden im Übergang in den Beruf profitieren von so einer Betreuung, sondern auch Studenten wie Stefan Jacob. Der 23-Jährige studiert im sechsten Semester Jura und überlegt, nach seinem Staatsexamen eine Laufbahn als Steuerberater einzuschlagen. Noch im Grundstudium bewarb er sich deshalb beim Mentoring-Programm der Universität Mannheim und suchte gezielt nach einer Mentorin aus dieser Branche. Eine, die aus der Praxis erzählen und Tipps geben kann, welche Schwerpunkte er in seinem Studium legen soll. Die Uni vermittelte ihm den Kontakt zu Katrin Müller. Die 34-Jährige ist Wirtschaftsprüferin und arbeitet bei Ernst &#038; Young in Stuttgart. An ihr erstes Treffen erinnert sich Jacob noch genau: Sie gingen mexikanisch essen, und Müller bot ihm bald das Du an. &#8220;Das hat mich zwar überrascht&#8221;, sagt Jacob, &#8220;aber ich fand es besser so, vertrauter.&#8221; Aufgrund der Entfernung zwischen Stuttgart und Mannheim konnten sich die beiden nur selten sehen. Gestört hat es Jacob nicht: &#8220;Wir haben dafür mehr Mails geschrieben oder telefoniert.&#8221; In der Regel einmal im Monat, aber öfter, wenn Jacob Rat suchte. Inzwischen ist der offiziell auf ein Jahr geschlossene Mentoring-Vertrag beendet. Nicht aber der Kontakt: Sollte er seine Mentorin brauchen, hat er ihre Telefonnummer.</p>
<p><strong>Auch Mentoren profitieren</strong><br />
Und auch die Mentoren profitieren von dem Kontakt zu Jüngeren. Katrin Müllers Engagement als Mentorin beruht nicht allein auf der Vorgabe ihres Arbeitgebers: Die Prüfer- und Beraterfirma Ernst &#038; Young knüpft zwar bewusst Kontakte zu Universitäten, um Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Doch auch Müller nützt der Austausch: Sie hilft Jacob, sich zu orientieren, kann dabei aber auch den eigenen Werdegang reflektieren. Wichtig aber: Immer ist es der Mentee, der sich selbst die Ziele stecken muss. Der Mentor kann ihn nur dabei unterstützen. Gudrun Sauer hat aber erlebt, dass manche Mentees gar nicht wussten, was sie wollten: &#8220;Da war unausgesprochen diese Bitte: &#8216;Sag mir, was ich tun soll&#8217;&#8221;, erinnert sich Sauer. Doch Lösungen vorzugeben oder gar psychische Probleme aufzufangen sei nicht ihre Aufgabe.</p>
<p><strong>Die Chemie muss stimmen</strong><br />
Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Beziehung zwischen Mentor und Mentee ist, dass die Chemie stimmt. Dann kann sich eine ganz persönliche Bindung entwickeln. &#8220;Sie füllt eine Lücke, die in modernen Arbeitsverhältnissen größer geworden ist&#8221;, sagt Christine Kurmeyer vom Forum Mentoring. E-Mails, SMS, Telefonkonferenzen – die Technisierung der Kommunikation verhindere oft den direkten Kontakt untereinander. Doch: &#8220;Das, was abfällig als &#8216;Schmierstoff&#8217; zwischen den sachlichen Informationen wegrationalisiert wurde, ist anscheinend doch ein wesentliches Element des menschlichen Zusammenlebens.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.zeit.de/2010/02/C-Mentoring">Artikel online lesen<a/>
</p>
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		<title>Schnelle Truppe</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jan 2010 17:03:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Nichts, was im Bundestag gesagt wird, soll verloren gehen. Deshalb nehmen 32 Parlamentsstenografen des Bundestages an jedem Sitzungstag den Wettlauf gegen die Zeit auf, damit das Protokoll bereits am folgenden Tag vorliegt und im Internet abgerufen werden kann. 
www.bundestag.de - 12. Februar 2010 
Im Bundestag sitzt Bärbel Heising stets in der ersten Reihe: Nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nichts, was im Bundestag gesagt wird, soll verloren gehen. Deshalb nehmen 32 Parlamentsstenografen des Bundestages an jedem Sitzungstag den Wettlauf gegen die Zeit auf, damit das Protokoll bereits am folgenden Tag vorliegt und im Internet abgerufen werden kann. </strong></p>
<p>www.bundestag.de - 12. Februar 2010 <a id="more-98"></a></p>
<p>Im Bundestag sitzt Bärbel Heising stets in der ersten Reihe: Nicht mehr als zehn Schritte sind es von ihrem Platz bis zur Regierungsbank, hinter ihr das Rednerpult und der Platz des Bundestagspräsidenten, vor ihr das Plenum. Von hier aus hat Heising die Abgeordneten genau im Blick. Das muss sie auch, denn die 48-Jährige ist Parlamentsstenografin und nichts, was im Plenarsaal des Bundestages passiert, darf ihren Augen und Ohren entgehen: Kein Klatschen, kein Zuruf, kein Schimpfen. &#8220;Als Stenografen geht es uns schließlich darum, nicht nur die Reden, sondern das ganze Geschehen im Parlament festzuhalten“, sagt Heising.</p>
<p><strong>Auch Emotionen einfangen</strong></p>
<p>So gilt es, nicht nur das gesprochene Wort, sondern gerade auch die Emotionen, die es begleiten, einzufangen: Das Lachen, die Kritik und die kleinen ironischen Bemerkungen am Rande. Auch ob ein Parlamentarier plötzlich aufspringt, ein Plakat hochhält - oder, wie der CSU-Abgeordnete Ernst Hinsken im Jahr 2002, zur Regierungsbank schlendert, um dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eine rote Laterne zu überreichen, wird von Heising und ihren 31 Kolleginnen und Kollegen vom Stenografischen Dienst des Deutschen Bundestages notiert - und ist später im Protokoll der Sitzung nachzulesen.</p>
<p>Und das schon einen Tag später: Am Morgen nach der jeweiligen Plenarsitzung ist der Stenografische Bericht bereits online abrufbar, am Mittag liegt er dann auch gedruckt vor. &#8220;So schnell schafft das kaum ein anderes Parlament auf der Welt“, sagt Bärbel Heising nicht ohne Stolz. In vielen anderen Ländern werde erst ein vorläufiges Protokoll veröffentlicht, das dann Wochen, manchmal sogar Monate später durch das endgültige ersetzt werde. Warum der Bundestag so fix arbeitet? Heising lächelt: „Wir sind eben gut organisiert!“</p>
<p><strong>Exakt ausgetüftelter Plan</strong></p>
<p>Tatsächlich verläuft die Arbeit der Parlamentsstenografen nach einem exakt ausgetüftelten Plan: 16 sind an einem Sitzungstag im Einsatz, außerdem acht so genannte Revisoren, die als eine Art Kontrollinstanz fungieren. Immer zwei Stenografen verfolgen zur gleichen Zeit eine Sitzung vom Stenografentisch aus. Der eigentlich &#8216;diensthabende Stenograf’ sitzt rechts außen - ungefähr auf Höhe der FDP-Fraktion -, der Revisor nimmt links gegenüber der Fraktion Die Linke Platz. Während er genau eine halbe Stunde das Geschehen protokolliert und dann abgelöst wird, arbeiten die Stenografen im Fünf-Minuten-Takt.</p>
<p>Um neun Uhr morgens beginnt der erste, abgelöst wird er um 9.05 Uhr. Das nächste Mal im Einsatz ist er um 10.20 Uhr, danach wieder um 11.40 Uhr und so weiter in diesem Rhythmus, bis der Sitzungstag beendet ist. &#8220;Das ist wie bei einem Staffellauf“, erklärt Heising. Wie auch im Sport sei hier die reibungslose Übergabe wichtig. Manche Stenografen klopften deshalb kurz an den Lautsprecher, um dem Vorgänger zu signalisieren, ab wann sie mitschrieben, andere sagten einfach &#8220;jetzt“. Dies diene der Kohärenz, denn schließlich solle man dem Protokoll nicht anmerken, dass 16 Stenografen daran beteiligt gewesen seien.</p>
<p><strong>Bewährter Fünf-Minuten-Takt</strong></p>
<p>So ein rollierendes System erfordert eine bis ins kleinste Detail funktionierende Organisation, doch der Aufwand ist notwendig. Gerade der Fünf-Minuten-Takt, nach dem die Stenografen traditionell im Bundestag arbeiten, hat sich bewährt: Die Zeit zwischen den Einsätzen brauchen sie dringend, um in ihr nahegelegenes Büro zu eilen, das Stenogramm einem Mitarbeiter zu diktieren und die erste Protokollversion auf seine sprachliche und sachliche Richtigkeit zu überprüfen.</p>
<p>Gerade Zahlen, Daten und Namen müssen die Stenografen im Blick haben, denn hier können sich bereits in der Rede des Abgeordneten Versprecher eingeschlichen haben. Später lesen dann auch die Parlamentarier noch einmal Korrektur. Die Änderungen, die sie vornehmen, werden wiederum von einem Revisoren überprüft.</p>
<p><strong>Keine Software kann sie ersetzen</strong></p>
<p>Trotz aller elektronischen Hilfsmittel, die die Arbeit der Stenografen heute erleichtern, von Datenbanken für die Recherche bis hin zu den Tonmitschnitten der Debatte: Sie selbst sind nicht ersetzbar. &#8220;Es gibt eben keine Software, die in der Lage ist, all das verlässlich aufzuzeichnen, was 622 Parlamentarier im Plenum gerade sagen oder tun“, so Heising. Vor allem, wenn sie durcheinander reden, und das tun sie oft: &#8220;Der Bundestag ist durch eine sehr lebendige Debattenkultur geprägt - da kann es wirklich Zurufe hageln“, sagt Heising.</p>
<p>Um dennoch keinen zu verpassen und jeden einzelnen Zwischenrufer zu identifizieren, braucht ein Stenograf absolute Konzentration - und vor allem eine schnelle Schreibe. Bärbel Heising ist schnell, sogar sehr schnell: Sie kann siebenmal rascher stenografieren als Menschen normalerweise schreiben.</p>
<p><strong>Redeschrift - die Kür der Stenografie</strong></p>
<p>Wenn Heising stenografiert, dann saust der Stift in ihrer Hand pfeilgeschwind über das extraglatte Stenopapier und hinterlässt dort eine Spur äußerst präzise geschwungener Zeichen: lang gestreckte Bögen, kleine Kringel, zackige Haken. Dabei ist die Stenografie, die die Parlamentsstenografen verwenden, die wohl reduzierteste und damit auch schwierigste Form der Kurzschrift. Braucht eine Sekretärin etwa zehn Zeichen, um einen Begriff wie &#8220;Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ zu stenografieren, zeichnet Heising schlicht einen waagerechten Halbkreis, an den sie rechts einen Haken anfügt.</p>
<p>Das ungläubige Staunen derer, auf die dies wie ein unentzifferbarer Code wirkt, ist die Stenografin gewohnt: Selbst die einfachste Form der Kurzschrift, die so genannte Verkehrsschrift, lernen heute immer weniger Menschen. Die Redeschrift aber, wie sie die Parlamentsstenografen benutzen - quasi die Kür der Stenografie -, beherrschen in Deutschland nur etwa 200 Eingeweihte.</p>
<p><strong>Ungebrochene Faszination</strong></p>
<p>Heising selbst begann bereits als 13-Jährige mit dem Stenografieren. Der Großvater beherrschte es, und die Enkelin war fasziniert von den unbekannten Zeichen: &#8220;In dem Alter ist man doch für alle Arten von Geheimschriften empfänglich“, sagt Heising und lächelt verschmitzt. Sie trat einem Stenografenverein in ihrer Heimatstadt Bochum bei, wurde 1979 Deutsche Jugendmeisterin im Stenografieren - und gleichzeitig auch vom damaligen Leiter des Stenografischen Dienstes im Bundestag entdeckt. Nach abgeschlossenem Germanistik- und Anglistikstudium sowie Promotion fing sie schließlich als Parlamentsstenografin an, damals noch in Bonn.</p>
<p>Heute, nach fast 25 Jahren im Bundestag, ist Heising Revisorin und betreut selbst den stenografischen Nachwuchs. Die Faszination für ihren Beruf ist ungebrochen: Besonders die Nähe zur Politik reizt sie noch immer. Kein Wunder - an ihrem Stenografentisch im Plenarsaal sind Heising und ihre Kollegen der Macht so nahe wie kaum jemand sonst. &#8220;Man ist mittendrin - und ist doch im Hintergrund.“ Mit dieser Position ist sie hochzufrieden, man merkt es ihr an.</p>
<p><a href="http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/28642186_kw06_stenografen/index.html">Artikel online lesen<a/></p>
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		<title>Mit Florett und Holzhammer</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2010/text/mit-florett-und-holzhammer.htm</link>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 17:22:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[60 Jahre Debatten im Deutschen Bundestag - das heißt auch: 60 Jahre Schimpfen, Sticheln und Stänkern. Empfindlich waren die Abgeordneten dabei noch nie: Seit Beginn der Bundesrepublik haben sie immer wieder zum rhetorischen Rundumschlag ausgeholt, um der eigenen Meinung Gewicht zu verleihen und den politischen Gegner zu übertrumpfen. 
www.bundestag.de - 1. Januar 2010 
Verbale Ausbrüche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>60 Jahre Debatten im Deutschen Bundestag - das heißt auch: 60 Jahre Schimpfen, Sticheln und Stänkern. Empfindlich waren die Abgeordneten dabei noch nie: Seit Beginn der Bundesrepublik haben sie immer wieder zum rhetorischen Rundumschlag ausgeholt, um der eigenen Meinung Gewicht zu verleihen und den politischen Gegner zu übertrumpfen. </strong></p>
<p>www.bundestag.de - 1. Januar 2010 <a id="more-96"></a><br />
Verbale Ausbrüche gehören zum parlamentarischen Alltag. Doch alltäglich ist die Wortwahl der Volksvertreter keineswegs. Im Gegenteil: Der frühere Leitende Redakteur der Wochenzeitung &#8220;Das Parlament&#8221;, Günter Pursch, hat Geistesblitze und Stilblüten von Parlamentariern über die Jahrzehnte gesammelt, dokumentiert und schließlich als &#8220;Parlamentarische Schimpfbücher&#8221; herausgegeben.</p>
<p><strong>Mithörminister, Übelkrähe, Geschwätzführer</strong></p>
<p>Ein Glück: Die sprachlichen &#8220;Verirrungen und Verwirrungen&#8221; der Politiker sind schlichtweg zu schön, um vergessen zu werden. Insbesondere, weil die Bundestagsabgeordneten bisweilen einen sehr spielerischen Umgang mit der deutschen Sprache pflegten: So wurde etwa 1964 CSU-Innenminister Hermann Hörcherl vom damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner als &#8220;Mithörminister&#8221; tituliert, der Abgeordnete Jürgen Wohlrabe (CDU) als &#8220;Übelkrähe&#8221; und der Parlamentarische Geschäftsführer der Union, Philipp Jenninger, wurde gar als &#8220;Geschwätzführer&#8221; verunglimpft.</p>
<p>Das Spektrum des parlamentarischen Pöbelns ist breit: ungewöhnliche Tiervergleiche (&#8221;kläffender Goldhamster&#8221;, &#8220;Schnarchhahn&#8221; oder &#8220;hospitalisiertes Nilpferd&#8221;) gehören ebenso zum Vokabular wie historische Analogien (&#8221;roter Faschist&#8221;, &#8220;Mini-Goebbels&#8221; oder &#8220;Obernazi&#8221;).</p>
<p><strong>Schlüpfrige Sticheleien</strong></p>
<p>Auch Drohungen und Machtworte (&#8221;Von mir hätten Sie rechts und links ein paar hingekriegt&#8221;, &#8220;Halten Sie doch die Schnauze&#8221;) sowie schlüpfrige Sticheleien (&#8221;Sie denken wieder an den G-Punkt oder irgendetwas Ähnliches!&#8221;, &#8220;Schlappschwanz&#8221; oder &#8220;Sie Lüstling!&#8221;) hat Pursch im stenographischen Wortprotokoll des Bundestages aufgespürt, das in den vergangenen 60 Jahren Bundestagsgeschichte auf ganze 240 000.Seiten angewachsen ist.</p>
<p>Ein Meister solcher Verbalattacken war Herbert Wehner. Der in der eigenen Partei als &#8220;Zuchtmeister&#8221; bekannte SPD-Politiker konnte rhetorisch Florett und Degen unterscheiden, scheute sich aber auch nicht, den verbalen Holzhammer zu nutzen: &#8220;Sie sind ein Schwein, wissen Sie das?&#8221; fragte Wehner so etwa 1974 den CDU-Politiker Wohlrabe.</p>
<p><strong>Schimpfbold Wehner</strong></p>
<p>Als Freund der gepflegten Beleidigung beliebte es ihm aber auch, den politischen Gegner mit eigenen Wortschöpfungen wie &#8220;Düffeldoffel&#8221; zu beschimpfen. &#8220;Wehner konnte wirklich die ganze Klaviatur der politischen Rhetorik benutzen&#8221;, sagt Günter Pursch anerkennend.</p>
<p>Das blieb auch den Zeitgenossen nicht verborgen: So ärgerte sich etwa Karl Carstens (CDU), späterer Bundespräsident, in seiner Zeit als Unionsfraktionschef zwischen 1973 und 1976, maßlos über den &#8220;größten Schimpfbold im ganzen Bundestag&#8221;.</p>
<p><strong>Verbaler Ausbruch als Mittel der Politik</strong></p>
<p>Doch wer glaubt, Wehner sei einfach nur ein Choleriker gewesen, der das Pöbeln und Poltern als emotionales Ventil nutzte, der irrt: &#8220;Für ihn war der verbale Ausbruch Mittel der Politik&#8221;, weiß Pursch. Wehner habe das Schimpfen durchaus kalkuliert eingesetzt. &#8220;Er konnte so alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, gerade, wenn es der SPD nicht gut ging. Dann war die Auseinandersetzung um die Sache weg, und alles kümmerte sich nur noch um ihn.&#8221;</p>
<p>Die von Pursch in seinem &#8220;Schimpfbuch&#8221; akribisch zusammengetragenen Tiraden der Volksvertreter mögen - gerade mit Abstand betrachtet - amüsant sein. Im Bundestag jedoch stießen (und stoßen) sie selten auf Gegenliebe. Darüber hinaus muss ein Schimpfer bis heute mit Konsequenzen rechnen, wenn er in der parlamentarischen Debatte allzu sehr über die Stränge schlägt.</p>
<p><strong>Joschka Fischer und Richard Stücklen</strong></p>
<p>Was sich verbal gehört und was nicht, liegt im Ermessen einer Person: der des Bundestagspräsidenten. Was er als &#8220;unparlamentarisch&#8221; empfindet, kann mit einem &#8220;Ordndungsruf&#8221; geahndet werden. Verwarnt wird nur zweimal, beim dritten Ordnungsruf gibt es ähnlich wie im Fußball eine Art &#8220;Platzverweis&#8221;: Der Abgeordnete wird für die laufende Debatte des Plenums verwiesen. Eine solche Sperre kann mehre Tage andauern. Wenn in dieser Zeit wichtige Abstimmungen geplant sind, trifft das mitunter die ganze Fraktion.</p>
<p>Einer der legendärsten Ordnungsrufe lässt sich jedoch im Gegensatz zu vielen anderen in keinem Bundestagsprotokoll finden: Der Ausbruch des Grünen-Politikers Joschka Fischer &#8220;Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch, mit Verlaub!&#8221; erfolgte erst, als Bundestagspräsident Richard Stücklen (CSU) bereits wegen Tumults die Sitzung geschlossen hatte.</p>
<p><strong>Nur ein Ordnungsruf für Strauß</strong></p>
<p>Rekordhalter in Sachen Ordnungsrufe ist übrigens - natürlich - Wehner: Er kam im Bundestag auf 57 Verwarnungen. In der ewigen Bestenliste landen direkt hinter ihm Heinz Renner (KPD) mit 47 und Ottmar Schreiner (SPD) mit 40 Ordnungsrufen. Letzterer habe es sich sogar zum &#8220;erklärten Ziel&#8221; gemacht, Wehner zu übertreffen, erzählt Pursch. Jedoch ohne Erfolg.</p>
<p>Der ebenfalls als Schimpfer berüchtigte Franz Josef Strauß (CSU) hat allerdings nur einen Ordnungsruf erhalten. Der Grund, so Pursch: &#8220;Der polterte eben mehr auf Parteiveranstaltungen als im Plenum.&#8221;</p>
<p><strong>Parlamentarisches Schimpfen auf dem Rückzug</strong></p>
<p>Dass sich auf den Spitzenplätzen der Ordnungsruf-Statistik kaum noch aktive Politiker finden, hat ebenfalls seine Ursachen: Auch wenn es heute noch glänzende Rhetoriker gibt - Pursch zählt etwa den kürzlich aus dem Bundestag ausgeschiedenen Friedrich Merz (CDU) dazu, Guido Westerwelle (FDP), Peer Steinbrück (SPD), Jürgen Trittin (Bündnis 90/ Die Grünen) oder Gregor Gysi (Die Linke) - das parlamentarische Schimpfen scheint auf dem Rückzug zu sein. Heute werden weit weniger verbale Breitseiten verteilt als in der alten Bonner Republik.</p>
<p>Warum das so ist? Der Schimpf-Experte hat seine eigene Theorie: &#8220;Es liegt an den Plenarsälen. Im ersten Bundestag in Bonn war es recht dunkel und man saß nahe beieinander. Das nervte und führte schneller zu Zoff.&#8221; Der Umzug in den durch Glas und Stahl atmosphärisch kühleren Bundestagsneubau hatte offenbar auch die Hitzköpfe abgekühlt, das Sticheln und Stänkern bald abgenommen.</p>
<p><strong>Immer weniger Ordnungsrufe</strong></p>
<p>Im noch größeren Reichstagsgebäude setzte sich diese Entwicklung fort. Wichtigstes Indiz für Purschs Annahme: Die Zahl der Ordnungsrufe ist tatsächlich stark zurückgegangen. &#8220;In der ersten Wahlperiode gab es noch 159 Ordnungsrufe, in der letzten nur fünf&#8221;, so der Zitate-Sammler. Doch an einer neuen Sanftmut der Volksvertreter kann es nicht allein liegen: Seit den neunziger Jahren greifen die Bundestagspräsidenten auch nicht mehr so oft zum Mittel des Ordnungsrufs, hat Pursch bemerkt.</p>
<p>Und auch die Sprache hat sich mit den Jahren gewandelt: Worte wie &#8220;geil&#8221;, die früher - wären sie einem Abgeordneten entschlüpft - mit Sicherheit geahndet wurden, sind heute längst kein Aufreger mehr. Einen Ordnungsruf kassiert allerdings in jedem Fall, wer einen NS-Vergleich bemüht. So passiert etwa Ulla Jelpke (Die Linke), als diese die Erfassung biometrischer Daten im Schengen-Raum 1993 in Beziehung zum &#8220;Arierausweis&#8221; der Nationalsozialisten setzte.</p>
<p><strong>Schwankungen im verbalen Klima</strong></p>
<p>Doch trotz geringerer Ordnungsruf-Frequenz - die Befürchtung, dass es im Bundestag langweilig wird, scheint unnötig zu sein. Pursch sieht es gelassen: Je nach Regierungs- und Parlamentszusammensetzung habe es schon immer Schwankungen im verbalen Klima gegeben, so der langjährige Beobachter des parlamentarischen Geschehens.</p>
<p>Die Grünen etwa mischten das Hohe Haus 1983 bei ihrem Einzug besonders heftig auf. Mit der PDS, später Die Linke genannt, änderte sich 1990 der parlamentarische Stil erneut. Mit Beginn der neuen Legislaturperiode scheint der Ton wieder ruppiger zu werden.</p>
<p><strong>&#8220;Die Debatten werden wieder lebhafter&#8221;</strong></p>
<p>&#8220;Die Große Koalition ist vorbei, die politischen Blöcke stoßen eben wieder aufeinander&#8221;, erklärt Pursch. Ob das zu einer neuen Hochkonjunktur des Schimpfens führt, vermag er zwar nicht zu prognostizieren. &#8220;Doch sicher werden die Debatten wieder lebhafter&#8221;, so der Schimpf-Experte, &#8220;und vielleicht fliegen dann auch die Verbalinjurien wieder etwas tiefer.&#8221;</p>
<p><a href="http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2009/28194056_kw01_schimpfen/index.html">Artikel online lesen<a/></p>
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		<title>Business, Bildung, Blätterteighäppchen</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2009/text/business-bildung-blatterteighappchen.htm</link>
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		<pubDate>Wed, 23 Sep 2009 12:02:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[Reportage: Ein Tag im Wahlkampf mit Christian Burholt (CDU)
Es ist ein heißer Spätsommertag in Berlin: Touristen bummeln über den Gendarmenmarkt, schlecken Eis oder entspannen im Schatten der Bäume. Dazwischen in der prallen Sonne: Christan Burholt, CDU-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Berlin-Mitte, in dunkelblauem Anzug, hochgeschlossenem Hemd und Krawatte. Der 36-Jährige schwitzt, lächelt aber tapfer. 
www.bundestag.de - [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Reportage: Ein Tag im Wahlkampf mit Christian Burholt (CDU)</p>
<p>Es ist ein heißer Spätsommertag in Berlin: Touristen bummeln über den Gendarmenmarkt, schlecken Eis oder entspannen im Schatten der Bäume. Dazwischen in der prallen Sonne: Christan Burholt, CDU-Bundestagskandidat für den Wahlkreis Berlin-Mitte, in dunkelblauem Anzug, hochgeschlossenem Hemd und Krawatte. Der 36-Jährige schwitzt, lächelt aber tapfer. </strong></p>
<p>www.bundestag.de - 14. September 2009 <a id="more-94"></a></p>
<p>Gerade prüft ein Fotograf die weißen, schirmförmigen Reflektoren, dirigiert dann Burholt und ein paar weitere Anzugträger per Handzeichen enger zusammen, um ein Bild zu machen. Dann ist die Gruppe erlöst. Gemeinsam schlendert man hinüber zu einem der Restaurants am Rande des Platzes.Um 13 Uhr hat die „Interessengemeinschaft Gendarmenmarkt“ Burholt hierhin zum „Business-Lunch“ geladen. Rund 30 Mitglieder, größtenteils Gastronomen und Hoteliers, sind gekommen, um bei Prosecco und Blätterteighäppchen den neuen Kandidaten kennenzulernen – und natürlich auch, um über Politik zu sprechen: So wünscht man sich mehr Veranstaltungen, die Gäste in die Restaurants und Hotels am Gendarmenmarkt bringen sollen. Außerdem weniger Bürokratie – und einen Tourismusbeauftragten beim Wirtschaftssenator, wie eines der Mitglieder es später formulieren wird.</p>
<p><strong>&#8220;Noch nicht betriebsblind&#8221;</strong></p>
<p>Doch vorerst steht man noch etwas steif im Halbkreis an Stehtischen, während das Hauptgericht auf Warmhalteplatten dampft und Burholt Schweißperlen auf die Stirn treten. Trotz der Hitze müht er sich, warm zu werden mit der Runde. Zum Glück hat er Verstärkung mitgebracht: Den in tourismuspolitischen Fragen versierten Ernst Brähmig, seit bald 20 Jahren für die CDU im Bundestag – und genauso lange Mitglied im Tourismusausschuss und damit ein „Fossil“, wie dieser sich bezeichnet. Brähmig hat eine klare Meinung, woran es in der Berliner Wirtschafts- und Tourismuspolitik hapert. Und die sagt er auch. Burholt nickt dazu.</p>
<p>Er nickt überhaupt viel an diesem Tag. Das mag „jung und noch etwas unerfahren“ wirken, wie ein Beobachter bemerkt, doch Burholt geht es gerade darum zuzuhören. Er will sich ein eigenes Bild machen, bevor er vorschnell Lösungen präsentiert. Brähmig jedenfalls ist voll des Lobes für den jungen Kollegen: „Der ist engagiert, bodenständig, verspricht nix, was er nicht halten kann.“ Dass sich Burholt zum ersten Mal für ein Mandat bewirbt, ist aus Brähmigs Sicht ein Vorteil: „Als Seiteneinsteiger ist er noch nicht betriebsblind“.</p>
<p><strong>&#8220;Mädchen für alles&#8221;</strong></p>
<p>Ein Seiteneinsteiger ist Burholt allerdings nur bedingt: Zwar arbeitet der promovierte Jurist als Wirtschaftsanwalt für eine internationale Kanzlei am Potsdamer Platz, doch auch am Platz der Republik, der Adresse des Bundestages, hat er schon gearbeitet: Für den früheren Abgeordneten Hubert Deitert (CDU) war Burholt schon während seines Studiums in Bonn, seit 1999 dann auch in Berlin „Mädchen für alles“: Büroorganisator, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Redenschreiber. Den Job, für den er sich nun als Abgeordneter bewirbt, kennt er also gut. Zudem ist Burholt seit Jahren politisch aktiv: Seit 2007 als Vorsitzender der CDU in Tiergarten, wo er zusammen mit seiner Frau und zwei kleinen Töchtern lebt. Darüber hinaus als Vorstandsmitglied im Kreisverband Berlin-Mitte. Im September 2008 wurde Burholt dort als Bundestagskandidat nominiert.</p>
<p>Jetzt, rund ein Jahr später, ist der Bundestagswahlkampf in die heiße Phase getreten. Für Burholt bedeutet das einen übervollen Terminkalender: Mehrere Termine täglich, Schulbesuche, Podiumsdiskussionen, „Canvassing“ vor U-Bahnhöfen oder Supermärkten, wie Wahlkampfstrategen das Werben um Wählerstimmen auf neudeutsch nennen. Burholt hat dafür extra seinen Jahresurlaub genommen. „Ich weiß nicht, wie das sonst gehen würde“, sagt er. Zwar unterstützt ihn die Kreisgeschäftsstelle, doch eine Sekretärin hat Burholt nicht: Termine oder Medienanfragen koordiniert er selbst zwischendurch via Blackberry.</p>
<p><strong>Zwei Welten innerhalb weniger Kilometer</strong></p>
<p>„Zum Glück gibt es aber Herrn Schröter“, seufzt Burholt und meint damit seinen Praktikanten, einen Politikstudenten, der über den Wahlkampf an der Basis seine Abschlussarbeit schreiben will. Als Burholts Adlatus beantwortet Dominik Schröter E-Mails, recherchiert für Redemanuskripte - oder fungiert als Chauffeur: Gerade ist er aus dem Restaurant geeilt, um den dunklen Kombi mit CDU-Aufschrift vor dem Restaurant zu parken, damit Burholt schneller von hier aus zum nächsten Termin starten kann.</p>
<p>Fast 15 Uhr ist es inzwischen geworden. Nach einer Verabschiedungsrunde im Restaurant, bei der er reichlich Visitenkarten verteilt, lässt sich Burholt auf die Rückbank fallen. „Was für eine Hitze“ stöhnt er, „aber der Termin ist doch gut gelaufen!“ Praktikant Schröter steuert den Wagen derweil von Mitte nach Moabit. Es sind nur wenige Kilometer, aber zwischen den Stadtteilen liegen Welten: Hier das Regierungsviertel, mit repräsentativen Bauten und feinen Restaurants, da ein Kiez, in dem Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen wachsen.</p>
<p><strong>&#8220;Mal sehen, was ich machen kann&#8221;</strong></p>
<p>Der Verein „Moabiter Ratschlag“ betreibt in diesem Viertel einen Schulgarten. Deutsche Kinder kommen ebenso hierher wie Kinder mit Migrationshintergrund, um in den hohen Bäumen zu klettern oder an einem Ferienkurs teilzunehmen. Doch das soziale Projekt ist von Kürzungen betroffen. Ab 2010 will der Senat einen Großteil der Mittel einsparen. Entsprechend aufgebracht sind die vier Mitarbeiter, die umringt von Kindern zwischen Tomatenpflanzen und Sonnenblumen auf den CDU-Politiker warten. Sie wollen, dass er hilft – irgendwie. Burholt ist das bewusst.</p>
<p>Aber er weiß er auch, dass er nicht viel ausrichten kann, auch wenn er in den Bundestag gewählt würde. Der Garten ist Sache des Landes, nicht des Bundes. Das sagt Burholt auch offen. So kann er nur zuhören, nicken, nachfragen. Je mehr Burholt zu hören bekommt, umso betroffener wirkt er: „Das ist wirklich ein Skandal“, entfährt es ihm. „Da fordert man mehr Bildung, mehr Integration - und dann kürzt man den Projekten die Mittel, so dass sie vor dem Aus stehen.“ Als ihn ein Junge an der Hose zupft und fragt „Willst du den Garten zumachen oder retten?“, sagt Burholz mit ernstem Blick durch die randlose Brille: „Ich würde ihn gern offenhalten. Mal sehen, was ich machen kann.“</p>
<p><strong>Self-made-Wahlkampf</strong></p>
<p>Gegen 17 Uhr macht sich Burholt wieder auf den Weg; in einer Stunde wird er zum Canvassing am CDU-Stand im Wedding erwartet. Doch der Schulgarten lässt ihn nicht los: Schröter steuert gerade den Wagen am Gebäudekomplex der Pharmafirma Bayer-Schering vorbei, als Burholt eine Idee kommt, die er gleich als Memo auf seinem Blackberry speichert: „Vielleicht wäre es ja für den Betriebskindergarten von Bayer interessant, eine Kooperation mit dem Schulgarten einzugehen? Mal nachfragen.“</p>
<p>Fünf Minuten später hat Schröter das Auto geparkt und holt das mitgebrachte Infomaterial aus dem Kofferraum. Burholt klemmt sich zwei Tüten mit Flyern unter die Arme und geht in Richtung U-Bahnhof, wo seine freiwilligen Helfer bereits zwei orangefarbene Sonnenschirme und einen Tisch aufgestellt haben. Das hat etwas von Self-made-Wahlkampf, aber Burholt nimmt es gelassen: „Was uns an finanziellen Mitteln fehlt, machen wir durch Engagement wett.“</p>
<p><strong>Manchmal offene Ablehnung</strong></p>
<p>18 Uhr. Kaum dass er seine Tüten abgestellt hat, geht Burholt in die Offensive und bietet einer jüngeren Frau seinen Kandidatenflyer an: „Guten Tag, meine Name ist Burholt, darf ich Ihnen das hier anbieten?&#8221; Die Frau möchte lieber ein Feuerzeug. Ein Gespräch entwickelt sich nur schleppend. „Nicht schlimm“, meint Burholt. „Wichtig ist, dass die Menschen sehen, dass wir hier sind.“</p>
<p>Leicht hat er es nicht: Wedding, traditionell ein Arbeiterbezirk, ist auch heute nicht gerade das, was man als Stammland der CDU bezeichnen könnte. Die meisten ignorieren die Wahlkämpfer, gucken weg oder laufen unbeirrt weiter. Nur selten bleibt jemand stehen – und wenn, dann oft nur, um dem eigenen Ärger Luft zu machen. Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise, Hartz IV – dazu muss Burholt immer wieder Stellung nehmen. Manchmal schlägt ihm sogar offene Ablehnung entgegen.</p>
<p>18.30 Uhr. „Ach, geh doch nach Hause“, krakeelt plötzlich ein Mann in Lederjacke, eine Bierflasche in der Hand. Burholt wünscht ihm trotzdem „einen schönen Abend“. Entmutigen lässt er sich von solchen Angriffen nicht. Er glaubt an seine Chance, nach dem 27. September in den Bundestag einziehen zu können, auch wenn frühere CDU-Kandidaten im Wahlkreis wenig erfolgreich waren. „Ich habe den Bundestrend im Rücken“, sagt Burholt und greift nach einem Stapel Flyer. Die Berliner CDU sei im Aufwind. Den will er nutzen.</p>
<p><a href="http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2009/27031934_report_burholt/index.html">Artikel online lesen<a/></p>
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		<title>Warum gehört die Schweiz nicht zur Europäischen Union?</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2009/text/warum-gehort-die-schweiz-nicht-zur-europaischen-union.htm</link>
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		<pubDate>Tue, 28 Jul 2009 14:47:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Deutschland und Frankreich gehören schon lange dazu, Bulgarien und Rumänien sind seit dem 1. Januar 2007 dabei: Sie alle sind Mitglieder der Europäischen Union (EU). Es gibt aber auch europäische Länder, die dem Staatenverbund nicht angehören wollen. Die Schweiz ist so ein Land, obwohl sie mitten in Europa liegt. Doch warum ist das so?
&#8220;Wem gehört [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Deutschland und Frankreich gehören schon lange dazu, Bulgarien und Rumänien sind seit dem 1. Januar 2007 dabei: Sie alle sind Mitglieder der Europäischen Union (EU). Es gibt aber auch europäische Länder, die dem Staatenverbund nicht angehören wollen. Die Schweiz ist so ein Land, obwohl sie mitten in Europa liegt. Doch warum ist das so?</strong></p>
<p>&#8220;Wem gehört eigentlich die Antarktis?&#8221; Kinder fragen - Journalisten antworten, Beltz&#038;Gelberg - Juli 2009 <a id="more-93"></a></p>
<p>Die EU ist ein Staatenverbund, zu dem sich inzwischen 27 europäische Länder zusammengeschlossen haben. Warum? Die Staaten sind überzeugt, dass es ihnen Vorteile bringt, Mitglied der EU zu sein. Sie glauben, dass die Zusammenarbeit ihrer Wirtschaft nützt und dass es friedlicher in Europa zugeht, wenn man Entscheidungen gemeinsam trifft.</p>
<p>Es gibt aber auch europäische Länder, die dem Staatenverbund nicht angehören wollen. Die Schweiz ist so ein Land, obwohl sie mitten in Europa liegt. Immer mal wieder überlegen dort einige Politiker, ob es für ihr Land nicht besser wäre, sich der EU anzuschließen – vor allem, weil bis auf das kleine Land Liechtenstein alle Nachbarn Mitglied sind. Deshalb gab es 2001 in der Schweiz eine Volksabstimmung. Die große Mehrheit der Bevölkerung entschied damals aber: Nein, unser Land soll frei und ganz unabhängig bleiben! Die Schweizer wollen auch künftig lieber alles, was sie betrifft, selbst entscheiden.</p>
<p>Freiheit und Unabhängigkeit sind der Schweiz schon lange besonders wichtig. Früher als in anderen Ländern entwickelte sich hier eine Demokratie, darauf sind die Schweizer sehr stolz. Besonders auf ihre Art der Demokratie. Anders als beispielsweise bei uns, wo meistens die Politiker im Parlament entscheiden, haben hier die Menschen viel mehr Möglichkeiten, selbst über die politischen Belange abzustimmen. In einem Volksentscheid etwa. Das soll so bleiben, finden die Schweizer.</p>
<p>Weil ihnen ihre Eigenständigkeit so wichtig ist, hat sich ihr Land auch in der Vergangenheit immer von internationalen Konflikten ferngehalten: Die Schweiz ist neutral, das bedeutet, dass sie sich beispielsweise aus Kriegen heraushält und nicht Partei ergreift. Bis heute trat sie nie einem militärischen Bündnis bei, wie etwa der Nato. Selbst bei den Vereinten Nationen (UN), einem Zusammenschluss fast aller Staaten der Welt, ist die Schweiz erst 2002 Mitglied geworden – nachdem sicher war, dass sie trotzdem neutral bleiben kann.</p>
<p>Aber ganz auf die Vorteile der europäischen Einigung verzichten will die Schweiz trotzdem nicht. Deshalb hat sie mit der EU und ihren einzelnen Nachbarländern viele Verträge abgeschlossen. Diese regeln beispielsweise den freien Handel und Verkehr – damit die Schweiz wirtschaftlich nicht allein und isoliert dasteht.</p>
<p>Der Text erschien ursprünglich am 10. Januar 2007 in der Frankfurter Rundschau, im Juni 2009 dann im Buch &#8220;Wem gehört die Antarktis?&#8221; (Verlag Beltz &#038; Gelberg)</p>
<p><a href="http://www.beltz.de/de/kinder-jugendbuch/beltz-gelberg/titel/wem-gehoert-die-antarktis.html">Mehr über das Buch<a/></p>
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		<title>Wie lebt es sich eigentlich als&#8230;.</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2009/text/wie-lebt-es-sich-eigentlich-als.htm</link>
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		<pubDate>Sat, 04 Apr 2009 20:12:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Hüter des sauren Herings?
Ruben Madsen, 61, leitet die weltweit einzige Surströmmings-Akademie. Er wacht über eine uralte Tradition: die richtige Zubereitung des berüchtigten vergorenen Herings.
GEO Special Schweden - 1. April 2009 
Herr Madsen, was braucht man, um Surströmming herzustellen?
Oh, das ist einfach: Salz, Wasser und Ostsee-Hering ohne Darm und Kopf. der wird in Salzlake erst in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hüter des sauren Herings?</p>
<p>Ruben Madsen, 61, leitet die weltweit einzige Surströmmings-Akademie. Er wacht über eine uralte Tradition: die richtige Zubereitung des berüchtigten vergorenen Herings.</strong></p>
<p>GEO Special Schweden - 1. April 2009 <a id="more-91"></a></p>
<p><em>Herr Madsen, was braucht man, um Surströmming herzustellen?</em></p>
<p>Oh, das ist einfach: Salz, Wasser und Ostsee-Hering ohne Darm und Kopf. der wird in Salzlake erst in Holz- und dann in Plastikfässern eingelegt und muss bei 15 bis 18 Grad acht Wochen gären.</p>
<p><em>Der Surströmming ist für seinen Gestank berüchtigt.</em></p>
<p>Für mich duftet er! Man muss wissen: Der Geruch hat zwei Stadien. Beim Öffnen der Dose riecht es wirklich faulig, das liegt vor allem an dem Schwefelwasserstoff, der entsteht, währen der Fisch gärt oder genauer: fermentiert. Doch wenn sich dieser üble Geruch verflüchtigt hat, bleibt nur der Duft des Surströmmings, und der ist salzig und sehr aromatisch!</p>
<p><em>Wer die Dose falsch öffnet, dem spritzt Lake entgegen, deren Geruch man angeblich nie mehr aus der Kleidung bekommt. Heißt es daher, man solle den Deckel in einer Plastiktüte abziehen oder in einem mit Wasser gefüllten Eimer&#8230;</em></p>
<p>Auf keinen Fall, das machen nur Amateure so! Besser man kippt die Dose um 45 Grad und sticht an der Oberkante ein Loch in den Deckel. So kann das Gas mit einem Zisch entweichen, und die Dose lässt sich gefahrlos öffnen.</p>
<p><em>Vermitteln Sie solche Tricks auch an Ihrer Surströmmings-Akademe im nordschwedischen Ülvöhamn?</em></p>
<p>Nein. Zur Akademie gehören 18 Experten. Unser Ziel ist es, die Tradition zu pflegen und weiterzuentwickeln. Wir haben zum Beispiel Kontakt zu Universitäten, um den Prozess der Fermentation zu erforschen, wir sind nach Japan gereist, wo man ebenfalls gegorenen Fisch isst. Und ganz wichtig: Wenn am dritten Donnerstag im August der erste saure Hering des Jahres in den Handel kommt, veranstalten wir den &#8220;Ulvötest&#8221;, bei dem der Jahrgangs-Beset herausgeschmeckt wird.</p>
<p><em>Ist dieser Fisch eigentlich der Inbegriff schwedischer Küche?</em></p>
<p>In der Tat: Surströmming ist das schwedischste Essen überhaupt! Schon zu Wikingerzeiten haben die Menschen hier den Fisch durch Säuerung haltbar gemacht.</p>
<p><em>Welches Rezept würden Sie dem Einsteiger empfehlen?</em></p>
<p>Ich würde &#8220;Surströmming-Tapas&#8221; empfehlen. Ein kleines Stück Heringsfilet auf einem Stück Tunnbröd, weichem Fladenbrot, und mit einer dünnen Pellkartoffelscheibe. Darüber gehackte Zwiebel, ein Klecks Sauerrahm und Dill.</p>
<p><em>Gibt es für Sie eigentlich noch eine kulinarische Herausforderung?</em></p>
<p>In Grönland wird an Ort und Stelle die warme Leber erlegter Robben gegessen. Klingt merkwürding, aber es schmeckt. In weniger guter Erinnerung habe ich fermentierte Tintenfisch-Arme in Japan. Die sahen aus wie Regenwürmer, was es nicht unbedingt leicht machte, sie zu probieren.</p>
<p><a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/04/Interview_Ruben-Madsen_Hueter-des-Surstroemmings.pdf" title="">GEO-Beitrag als PDF ansehen</a></p>
<p><a href="http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geo_special/60199.html?t=img">Link zu GEO Special Schweden<a/>
</p>
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		<title>&#8220;Erosion der Rechte&#8221;</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2009/text/erosion-der-rechte.htm</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Jan 2009 16:21:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[Interview: Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) kritisiert die Freiheitseinschränkungen im Kampf gegen Kriminalität
Das Parlament - 10. November 2008 
Herr Baum, Sie waren selbst Bundesinnenminister und warnen vor der Aufgabe von Bürger- und Freiheitsrechten im Kampf gegen Terrorismus und Verbrechen. Welche Regierung hat denn mehr davon geopfert - die rot-grüne Koalition mit Otto Schily oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Interview: Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) kritisiert die Freiheitseinschränkungen im Kampf gegen Kriminalität</strong></p>
<p>Das Parlament - 10. November 2008 <a id="more-83"></a></p>
<p><em>Herr Baum, Sie waren selbst Bundesinnenminister und warnen vor der Aufgabe von Bürger- und Freiheitsrechten im Kampf gegen Terrorismus und Verbrechen. Welche Regierung hat denn mehr davon geopfert - die rot-grüne Koalition mit Otto Schily oder die Große Koalition mit Wolfgang Schäuble?</em></p>
<p>Die innenpolitische Aufrüstung hat schon viel früher, mit der Reaktion auf die Bedrohung der RAF begonnen. Sicher waren damals einige Maßnahmen notwenig, doch manche gingen an die Grenzen des Rechtsstaats. Diese Auswüchse haben wir später korrigiert. Was wir heute erleben, ist so gesehen die Fortsetzung einer vor 30 Jahren begonnenen Entwicklung, Stück für Stück Freiheitsrechte aufzugeben. 1998 ist etwa im Zusammenhang mit einer aufgeregten Diskussion über die Organisierte Kriminalität der &#8220;Große Lauschangriff&#8221; eingeführt worden, den später das Bundesverfassungsgericht weitgehend wieder aufgehoben hat. Otto Schilys Gesetzespaket war nach dem 11. September als Antwort auf die neuen Herausforderungen in Teilen notwenig, schoss aber weit über das Ziel hinaus. Der unbescholtene Bürger wurde zunehmend durch Einschränkungen seiner Freiheitsrechte Gegenstand staatlicher Maßnahmen. Ob diese wirklich notwendig waren, wurde nicht untersucht.</p>
<p><em>Schäuble argumentiert aber, dass man noch mehr Handhabe im Kampf gegen den Terrorismus benötigt&#8230;</em></p>
<p>Ja, das ist seine Argumentation. Er strebt eine neue Sicherheitsarchitektur an: Die Bundeswehr soll unter anderem als eine Art Ersatzpolizei durch weitgehende Grundgesetzänderungen in die Bekämpfung von Kriminalität einbezogen werden. Das ist verfassungsrechtlich nicht akzeptabel und zur Verbesserung der Sicherheitslage auch nicht geboten - nimmt man Extremfälle aus, die in letzter Konsequenz bislang noch gar nicht durchdacht worden sind.</p>
<p><em>Welche der geplanten Instrumente halten Sie für besonders gefährlich? Die Online-Durchsuchung?</em></p>
<p>Die Online-Durchsuchung ist ein schwerer Eingriff in die Grundrechte - und deshalb vom Bundesverfassungsgericht an enge Voraussetzungen gebunden worden. Doch sie ist nicht der einzige Eingriff. Mit dem neuen BKA-Gesetz bekommt das Bundeskriminalamt äußerst weit reichende, präventive Befugnisse. Es würde zudem grundlegende Prinzipien der Rechtsordnung ändern, die Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern - und die Trennung zwischen Polizei und Geheimdienst. Deren Kompetenzen würden vermischt.</p>
<p><em>Ist die Trennung von Geheimdiensten und Strafverfolgung - eine Reaktion auf den Missbrauch solcher Institutionen im Nationalsozialismus - noch zeitgemäß?</em></p>
<p>Ganz klar: Ja. Natürlich heißt das nicht, dass man sich nicht um einen Informationsaustausch zwischen Geheimdiensten und Polizei bemühen soll. Das ist notwendig - und war auch schon zu meiner Zeit so. Die Trennung ist begründet in den unterschiedlichen Methoden, mit denen Nachrichtendienst und Polizei vorgehen. Der Nachrichtendienst hat einen viel größeren Spielraum. Er arbeitet im Vorfeld, mit anderen Mitteln und auch ohne an einen konkreten Tatverdacht gebunden zu sein. Die Trennung ist sehr sinnvoll - gerade auch unter Sicherheitsgesichtspunkten.</p>
<p><em>Beschränkt sich die Tendenz zur Einschränkung von Grundrechten nur auf den Anti-Terror-Kampf oder ist zu befürchten, dass die geforderten neuen Befugnisse auch bei der Bekämpfung von anderen Verbrechen Anwendung finden?</em></p>
<p>Eine berechtigte Frage. Nehmen wir die Vorratsdatenspeicherung: Heute werden von den Telefonanbietern alle Telekommunikationsdaten ein halbes Jahr lang gespeichert. Diese sollen keineswegs nur zur Terrorismusbekämpfung verwendet werden, sondern auch im Kampf gegen &#8220;normale&#8221; Kriminalität. Die in den letzten Jahrzehnten entwickelten Instrumente richten sich alle gegen Kriminalität insgesamt.</p>
<p><em>Worüber eigentlich debattiert wird, ist das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit. Grundsätzlich gefragt: Ist Freiheit ohne Risiken überhaupt denkbar?</em></p>
<p>Die Zielgröße ist immer die Freiheit. Freiheit und Sicherheit spielen nicht in der gleichen Liga. Kant hat gesagt, dass es zwar in Ordnung ist, wenn Behinderungen der Freiheit beseitigt werden, aber das Ziel muss die Freiheit sein. Das heißt: Die Freiheit setzt auch die Grenze für staatliche Maßnahmen. Der Schutz der Menschenwürde, Artikel 1 in unserer Verfassung, ist in über zehn Urteilen des Bundesverfassungsgerichts zur Inneren Sicherheit angeführt worden. Das zeigt: Der Zweck rechtfertigt eben nicht jedes Mittel. Es muss immer abgewogen werden, ob der Sicherheitsgewinn überhaupt vorhanden ist. Und wenn er vorhanden ist, ob er eine Freiheitseinschränkung rechtfertigt - oder ob man nicht bestimmte Risiken hinnehmen muss.</p>
<p><em>Wer sind denn eigentlich Ihre Verbündeten im Kampf um Bürger- und Freiheitsrechte?</em></p>
<p>Es gibt im Land eine breite Diskussion über die schleichende Erosion der Grundrechte. Die einzelne Maßnahme für sich müsste ja gar nicht so beunruhigend sein. Es ist die Summe der Maßnahmen, denn sie führt in eine Gesellschaft, die von staatlichen Überwachungselementen durchsetzt ist. Verbündete gibt es in der Politik natürlich, und gerade auch beim Bundesverfassungsgericht. Es gibt eine Reihe bemerkenswerter Reden, in denen sich Verfassungsrichter deutlich positioniert haben. So wurde kritisiert, dass wir eine Lust am antizipierten Ausnahmezustand praktizieren! Wir reden uns in Ausnahmezustände hinein, verbreiten Angst und die Bevölkerung reagiert gleichgültig. Das ist ein gefährliches Gemisch: Gift für die Freiheit!</p>
<p><em>Die Bürger wirken tatsächlich über diese Entwicklungen kaum beunruhigt. Sind die Deutschen Sicherheitsversprechen gegenüber anfälliger als andere Nationen?</em></p>
<p>Die Deutschen scheinen ein großes Sicherheitsbedürfnis zu haben. Dennoch meine ich, dass die Leute inzwischen sensibler geworden sind. Es gab kürzlich eine große Demonstration gegen die Vorratsdatenspeicherung in Berlin. Auch als ich die Beschwerde gegen die Online-Durchsuchung vorbereitete, bekam ich viel Unterstützung. Generell beobachte ich jedoch, dass sich die Menschen heute viel leichtfertiger offenbaren. Die Schamgrenze ist gesunken, und sie sind sich überhaupt nicht bewusst, dass sie überall Spuren hinterlassen, auch im privaten Bereich. Es geht gar nicht allein um staatliche Überwachung, sondern ganz allgemein um den Missbrauch von Daten. Wir brauchen dringend ein neues Bewusstsein für Datenschutz - und neue gesetzliche Regeln.</p>
<p><em>Sie haben angekündigt, notfalls erneut vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen, sollte das BKA-Gesetz in seiner geplanten Form vom Gesetzgeber verabschiedet werden. Wie sehen Sie Ihre Erfolgsaussichten?</em></p>
<p>Das Gesetz soll in dieser Woche vom Bundestag verabschiedet werden. In der Anhörung haben die Sachverständigen dazu im Großen und Ganzen positiv Stellung genommen. Aber: Man lädt sich ja auch nicht nur Experten ein, die kritisieren! Also, wir werden uns das Ergebnis genau anschauen und dann entscheiden. Gierig sind wir nicht darauf, wieder zu prozessieren - wir machen das nur im äußersten Notfall. Entscheidend ist für uns die Frage: Ist der Kernbereich privater Lebensgestaltung hinreichend geschützt?</p>
<p><strong><br />
Gerhart Baum war von 1978 bis 1982 Bundesinnenminister. Aufsehen erregte der FDP-Politiker in den vergangenen Jahren durch mehrere Verfassungsbeschwerden, von denen drei erfolgreich waren: 2004 erklärte das Bundesverfassungsgericht den &#8220;Großen Lauschangriff&#8221;, 2006 das Luftsicherheitsgesetz und 2008 die durch das NRW-Verfassungsschutzgesetz legalisierte Online-Durchsuchung für verfassungswidrig.</strong></p>
<p><a href="http://www.das-parlament.de/2008/46/MenschenMeinungen/22700666.html">Artikel online lesen<a/></p>
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		<title>Münchner Querkopf</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Dec 2008 18:20:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Einst wurde er von den Parteirechten als Hoffnungsträger gefeiert, von politischen Gegnern dagegen als &#8220;Scharfmacher&#8221; tituliert: Peter Gauweiler ist noch heute eine der schillerndsten Personen der CSU. Ein Porträt. 
Das Parlament - 14. Juli 2008 
In den 1980er-Jahren war der heute 58-jährige Jurist zunächst Münchner Kreisverwaltungsreferent, dann Staatssekretär im bayerischen Innenministerium. Bundesweite Aufmerksamkeit ebenso wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Einst wurde er von den Parteirechten als Hoffnungsträger gefeiert, von politischen Gegnern dagegen als &#8220;Scharfmacher&#8221; tituliert: Peter Gauweiler ist noch heute eine der schillerndsten Personen der CSU. Ein Porträt.</strong> </p>
<p>Das Parlament - 14. Juli 2008 <a id="more-87"></a></p>
<p>In den 1980er-Jahren war der heute 58-jährige Jurist zunächst Münchner Kreisverwaltungsreferent, dann Staatssekretär im bayerischen Innenministerium. Bundesweite Aufmerksamkeit ebenso wie harsche Kritik erntete Gauweiler für seine &#8220;Law and order&#8221;-Politik: So warnte er etwa vor einer &#8220;Harlemisierung&#8221; deutscher Großstädte und forderte ein härteres Durchgreifen der Polizei. 1990 wurde Gauweiler unter Ministerpräsident Max Streibl Umweltminister, trat aber 1994 im Zusammenhang mit der so genannten Kanzleiaffäre zurück. Ihm wurde vorgeworfen, seine Rechtsanwaltskanzlei unrechtmäßig verpachtet zu haben.</p>
<p>2002 zog der Münchner per Direktmandat in den Deutschen Bundestag ein. Still ist es aber auch in Berlin nicht um ihn geworden: Immer wieder eckt der Querkopf an, selbst in den eigenen Reihen: Ob es um Tornadoeinsätze in Afghanistan, Jugendkriminalität oder den EU-Reformvertrag geht. Ein streitbarer Geist zu sein, macht ihm ganz offenbar Vergnügen. Und Gegenwind ist er inzwischen gewöhnt.</p>
<p>Sollte dieser ihm jedoch einmal zuviel werden, dann weiß der Politiker, wo er Rückhalt findet: in der Familie. Schon seine Eltern vermittelten ihm: &#8220;Zusammenstehen!&#8221; Das musste die Familie in der Nachkriegszeit auch, um durchzukommen. Peter Gauweiler ist das jüngste von drei Kindern, der einzige Sohn. Sein Vater, Rechtsanwalt wie er, kam schwer verletzt aus dem Zweiten Weltkrieg zurück: Ihm fehlte ein Arm. Dennoch schaffte er es, seine Kanzlei wieder aufzubauen. Aber als er später erkrankte, war es die Mutter, die das Geld für die Familie verdiente. Gauweiler war elf Jahre alt, als die Mutter wieder als Lehrerin zu arbeiten begann. Alle mussten nun mithelfen: &#8220;Solidarität wurde bei uns gelebt&#8221;, erzählt der Politiker. Bewunderung für seine Eltern empfindet er besonders aus einem Grund: &#8220;Sie haben uns Kindern trotz allem ein schönes Leben vermittelt, mit Ausflügen und Reisen - zum Beispiel an die Ostsee&#8221;, erzählt Gauweiler, &#8220;das ist unvergesslich für mich!&#8221;</p>
<p>Er ist inzwischen selbst Vater von vier Kindern im Alter von 10 bis 16 Jahren. Ein strenger Vater? &#8220;Furchtbar streng - aber sie fürchten meine Strenge nicht&#8221;, klagt Peter Gauweiler resigniert lächelnd. Als regelmäßiger Kolumnist in der BILD-Zeitung hat er jedoch nie einen Zweifel daran gelassen, dass er klare Wertevorstellungen hat: &#8220;Die Kardinaltugenden - Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit - braucht man immer&#8221;, sagt Gauweiler. Auch wer am besten die Erziehungsarbeit leistet, vor allem in den ersten Lebensjahren, ist klar: Die Mutter. Kita-Plätze für unter Dreijährige? Für Gauweiler nicht mehr als ein notwendiges Übel. Zwar ist er Realist genug, um zu wissen, dass sie gebraucht werden. An Kritik spart er dennoch nicht: &#8220;Dass man so kleine Kinder einfach abgibt, finde ich nicht gut - auch nicht, dass man den Wert der Selbstverwirklichung in der Arbeit höher schätzt als die Erziehung von Kindern.&#8221;</p>
<p>Er selbst kann oft nur am Wochenende bei der Familie sein - als Abgeordneter und Rechtsanwalt ist sein Terminkalender prall gefüllt. Dass er zu wenig Zeit für seine Kinder haben könnte, glaubt er nicht. &#8220;Ach, die sind manchmal froh, wenn ich weg bin,&#8221; sagt er gutgelaunt. Seine Kinder seien ebenfalls viel unterwegs - in der Schule. Auch Gauweiler klagt wie die meisten Eltern in Bayern über &#8220;G8&#8243;, das seit 2003 nur noch acht Schuljahre dauernde Gymnasium: &#8220;Eine Rücksichtslosigkeit gegenüber den Schülern!&#8221;, ärgert er sich. &#8220;Man kann doch nicht ein Schuljahr wegkürzen und die Stundenzahl von neun Jahren gleich lassen.&#8221;</p>
<p>Umso wichtiger ist da das Wochenende für die Familie. Peter Gauweiler ist froh, ein &#8220;später Vater&#8221; zu sein: &#8220;Wenn ich mich mit früher vergleiche - mein Leben, meine frühe Karriere - dann kann ich die Kinder heute viel besser begleiten.&#8221; Und das macht er ganz ähnlich wie seine Eltern früher: Ein Ritual sind auch bei den Gauweilers heute noch die gemeinsamen Ausflüge am Wochenende, etwa zum Skifahren.</p>
<p><a href=http://www.das-parlament.de/2008/29-30/MenschenMeinungen/21506948.html>Artikel online lesen<a/></p>
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		<title></title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2008/redaktion/das-parlament/82.htm</link>
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		<pubDate>Fri, 21 Mar 2008 16:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix</dc:creator>
		
	<category>Das Parlament</category>
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		<description><![CDATA[Konzeption und Redaktion von Themenausgaben für &#8220;Das Parlament&#8221;

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		<title>Berliner Zeitung</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Mar 2008 16:04:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Texte, Redaktion und Produktion von Serviceseiten
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		<title>Das Parlament</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Mar 2008 15:50:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Konzeption, Redaktion und Texte für Themenausgaben
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Konzeption, Redaktion und Texte für Themenausgaben<br />
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		<title>Augenmaß statt Angst</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Mar 2008 17:09:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
	<category>Das Parlament</category>
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		<description><![CDATA[Kriminalität: Ursachen, Formen, Bekämpfung
Die Themenausgabe beschäftigt sich vornehmlich mit den Bereichen Globalisierung und Organisiertes Verbrechen, mit der Wirtschaftskriminalität und der Korruption sowie den Gefahren der Internetkriminalität. Ferner es um die Ursachen und Bekämpfung von Jugend- und Ausländerkriminalität. In Reportagen und Interviews wird dieses oft mit Vorurteilen behaftete Thema beleuchtet.  (Themenausgabe &#8220;Kriminalität&#8221;, 10. November 2008)
Titelseite [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kriminalität: Ursachen, Formen, Bekämpfung</strong><br />
Die Themenausgabe beschäftigt sich vornehmlich mit den Bereichen Globalisierung und Organisiertes Verbrechen, mit der Wirtschaftskriminalität und der Korruption sowie den Gefahren der Internetkriminalität. Ferner es um die Ursachen und Bekämpfung von Jugend- und Ausländerkriminalität. In Reportagen und Interviews wird dieses oft mit Vorurteilen behaftete Thema beleuchtet.  (Themenausgabe &#8220;Kriminalität&#8221;, 10. November 2008)</p>
<p><a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/01/Kriminalitaet_S01.pdf" title="Das Parlament, Themenausgabe &quot;Kriminalität&quot;, 10.November 2008">Titelseite als PDF ansehen</a><br />
<a href=http://www.das-parlament.de/2008/46/index.html>Themenausgabe online lesen<a/></p>
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		<title>Der Kampf um einen Traum</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2008/redaktion/das-parlament/kampf-um-einen-traum.htm</link>
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		<pubDate>Tue, 18 Mar 2008 16:17:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix</dc:creator>
		
	<category>Das Parlament</category>
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		<description><![CDATA[Menschenrechte: Ihre Einhaltung ist langwierig
Anspruch und Wirklichkeit der Menschenrechte klaffen oft auseinander:Abkommen und Konventionen zum Trotz werden sie immer wieder ignoriert. Gerade angesichts der Bedrohung durch den &#8220;internationalen Terror&#8221; wurden im Namen der Sicherheit die Freiheitsrechte in vielen Ländern empfindlich eingeschränkt. So ist es oft zweierlei, was die Menschenrechte angeht: Das, was auf dem Papier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Menschenrechte: Ihre Einhaltung ist langwierig</strong><br />
Anspruch und Wirklichkeit der Menschenrechte klaffen oft auseinander:Abkommen und Konventionen zum Trotz werden sie immer wieder ignoriert. Gerade angesichts der Bedrohung durch den &#8220;internationalen Terror&#8221; wurden im Namen der Sicherheit die Freiheitsrechte in vielen Ländern empfindlich eingeschränkt. So ist es oft zweierlei, was die Menschenrechte angeht: Das, was auf dem Papier steht, und das, was davon realisiert ist. Der Erfolg der Menschenrechte hängt letztlich davon ab, dass es Akteure gibt, die sich für ihre Verwirklichung einsetzen. Voraussetzung für jegliches Engagement ist aber Sensibilität gegenüber dem Thema. Auch deshalb stehen die Menschenrechte in dieser Themenausgabe im Blickpunkt. (Themenausgabe &#8220;Menschenrechte&#8221;, 6./13. August 2007)</p>
<p><a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/03/Das-Parlament_Menschenrechte_2007-08.pdf" title="Das Parlament, Themenausgaben &quot;Menschenrechte&quot;, 6./13. August 2007">Titelseite als PDF ansehen</a><br />
<a href=http://www.das-parlament.de/2007/32-33/index.html>Themenausgabe online lesen</a></p>
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		<title>Signale in Ressorts gegossen</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2007/text/signale-in-ressorts-gegossen.htm</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Feb 2007 17:59:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[Die Exekutive passt ihre Ministerien nicht nur politischen Erfordernissen an, auch der Parteienproporz spielt eine gewichtige Rolle
Frankfurter Rundschau - 4. April 2007 
Sektempfang, Pressekonferenz und eine Festschrift: Als Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen Anfang März die Bundeskanzlerin und ihre vier Kabinettskolleginnen zu einer öffentlichen Diskussion über die Gleichstellungspolitik einlud, sollte eigentlich ein runder Geburtstag vorgefeiert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Exekutive passt ihre Ministerien nicht nur politischen Erfordernissen an, auch der Parteienproporz spielt eine gewichtige Rolle</strong></p>
<p>Frankfurter Rundschau - 4. April 2007 <a id="more-67"></a></p>
<p>Sektempfang, Pressekonferenz und eine Festschrift: Als Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen Anfang März die Bundeskanzlerin und ihre vier Kabinettskolleginnen zu einer öffentlichen Diskussion über die Gleichstellungspolitik einlud, sollte eigentlich ein runder Geburtstag vorgefeiert werden: Das 20-jährige Bestehen des Bundesfrauenministeriums. Im Juni 1986 hatte die schwarz-gelbe Koalition unter Helmut Kohl ein eigenes Ressort für Frauen- und Gleichstellungspolitik eingerichtet. Zum ersten Mal überhaupt in der deutschen Geschichte. Lang scheint das her zu sein. Doch verglichen mit anderen Ressorts ist das Bundesfrauenministerium eher jung. </p>
<p>Klassische Ministerien beispielsweise für die Ressorts Außenpolitik und Finanzen gab es in den meisten europäischen Staaten bereits im 19. Jahrhundert. Das Auswärtige Amt etwa wurde 1870 gegründet – als Behörde des Norddeutschen Bundes, zu dem vor der Gründung des Deutschen Reichs 1871 alle deutschen Staaten nördlich der Mainlinie gehörten. Für den späteren Reichskanzler Otto von Bismarck war Außenpolitik Chefsache, ein Ministerium duldete er nicht. Bis heute hat sich die Bezeichnung „Auswärtiges Amt“ erhalten, obwohl es kein bloßes Amt mehr ist, sondern ein eigenständiges Ministerium. Auch die anderen klassischen Ministerien wie das Innen-, Justiz- oder Verteidigungsministerium entstanden zu dieser Zeit. Noch heute sind sie die prestigeträchtigsten obersten Regierungs- und Verwaltungsbehörden eines Staates.</p>
<p>Später wurden diese Ministerien durch weitere Ressorts wie das Kultus-, Handels- und Landwirtschaftsministerium ergänzt. Im 20. Jahrhundert kam mit dem Ausbau des Sozialstaats etwa das Arbeits-, Verkehrs-, Wirtschafts- oder Forschungsministerium hinzu. Wie selbstverständlich gehören sie heute zu jeder Regierung – nicht nur in Deutschland, sondern in nahezu jedem Staat der Welt. Lediglich eines der klassischen Ministerien findet sich heute in Deutschland nicht mehr auf Bundesebene: das Kultusministerium. Kultur und Bildung sind in der föderal strukturierten Bundesrepublik in erster Linie Aufgabe der Länder, nicht des Bundes. Dass es trotzdem einen Kulturstaatsminister und ein Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt, liegt daran, dass auch der Bund Verantwortung für die Förderung von Kunst und Wissenschaft übernommen hat. Für Politikwissenschaftler Arthur Benz ist das aber streng genommen ein Widerspruch: „Gerade nach der Föderalismusreform könnte man fragen, ob es überhaupt noch ein Bundesbildungsministerium geben darf“, so der Professor von der Fernuniversität Hagen. </p>
<p>In den meisten Ländern existieren neben den genannten Ressorts auch Ministerien für landespezifische Probleme: In Japan gibt es etwa ein Ministerium für die sinkende Geburtenrate, in Kanada eines für Indianische Angelegenheiten, in Frankreich wird derzeit über die Schaffung eines Ministeriums für die nationale Identität diskutiert.<br />
Auch in Deutschland gab es einmal ein solches landesspezifisches Ressort: Das 1949 geschaffene „Ministeriums für innerdeutsche Angelegenheiten“. Es wurde allerdings 1991 aufgelöst - seine Arbeit war mit der Wiedervereinigung hinfällig geworden.</p>
<p>Überhaupt gab es nach dem Zweiten Weltkrieg es in Deutschland nur wenige Neugründungen von Ministerien, die es bis heute gibt: Das 1961 geschaffene Entwicklungshilfeministerium gehört dazu, genauso das Bundesumweltministerium. Das Ministerium für Post und Telekommunikation wurde dagegen 1998 aufgelöst – Post und Fernmeldewesen waren seit ihrer Privatisierung nicht mehr Sache des Staates. </p>
<p>Viele Ressorts wurden in ihrer Geschichte geteilt, zusammengelegt oder umbenannt. In der rot-grünen Koalition unter Bundeskanzler Gerhard Schröder beispielsweise fusionierten das Wirtschafts- und das Arbeitsministerium zu einem „Superministerium“. Sachliche Gründe geben bei solchen Umstrukturierungen meist nicht allein den Ausschlag. Oft spielen auch politisch-programmatische Gründe eine wichtige Rolle, etwa wenn es zu Veränderungen im Zuschnitt von Ministerien oder gar zu einer Neugründung kommt: „Die Einrichtung des Umweltministeriums nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl war ganz klar ein politisches Signal, denn die Aufgabe Umweltschutz an sich ist deutlich älter&#8221;, so Politikwissenschaftler Benz. </p>
<p>Ein Regierungschef habe zudem Rücksicht auf den Koalitionspartner zu nehmen und innerparteiliche Gruppen und Flügel zu bedenken. Nicht selten kommt es deshalb zu Umstrukturierungen der Ressorts. „Manchmal müssen auch Ministerien geteilt werden, um genügend Personen mit Ministerposten zu bedenken“, sagt Benz. Manchmal aber verändert sich der Zuschnitt eines Ministeriums, weil ein Politiker die Aufwertung seines Ressorts fordert - wie zuletzt der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der nach der Bundestagswahl 2005 für sich und die CSU ein Wirtschaftsministerium mit zusätzlichen Kompetenzen aus dem Ministerium für Bildung und Forschung beanspruchte. Sein eigens neu geschaffenes Amt trat er dann trotzdem nicht an. </p>
<p>Solche politischen Entscheidungen haben zwar finanziell keine gravierenden Auswirkungen, so Benz, doch für die Ministerialbürokratie bedeuten sie einen gehörigen organisatorischen Aufwand. „Abteilungen müssen neu zusammenfinden, Abteilungsleiter wechseln – für den Geschäftsgang hat das Konsequenzen&#8221;, kritisiert Benz. Trotzdem stellen diese Nachteile seiner Meinung nach die Gestaltungskompetenz des Regierungschefs nicht ernsthaft in Frage: „Auch Ministerien müssen schließlich an veränderte gesellschaftliche Verhältnisse angepasst werden.&#8221; </p>
<p><a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads/Einmaleins 04042007 - Ministerien - Utopie-1.pdf" title="">FR-Seite als PDF ansehen</a>
</p>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Nicht sprechen war das Normale&#8221;</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2006/text/nicht-sprechen-war-das-normale.htm</link>
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		<pubDate>Mon, 11 Dec 2006 10:03:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[Für Millionen Deutsche ist der Name &#8220;Jacobs&#8221; spätestens seit den Fünfzigerjahren untrennbar mit Kaffee verbunden, ebenso wie die &#8220;Krönung&#8221; oder das &#8220;Verwöhnaroma&#8221;. Doch so bekannt die Marke auch ist, so wenig ist dagegen über das Unternehmen und die Familie bekannt. Selbst die Enkelin des Firmenpatriarchen Walther Jacobs, Louise, wusste so wenig über ihre Vorfahren, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für Millionen Deutsche ist der Name &#8220;Jacobs&#8221; spätestens seit den Fünfzigerjahren untrennbar mit Kaffee verbunden, ebenso wie die &#8220;Krönung&#8221; oder das &#8220;Verwöhnaroma&#8221;. Doch so bekannt die Marke auch ist, so wenig ist dagegen über das Unternehmen und die Familie bekannt. Selbst die Enkelin des Firmenpatriarchen Walther Jacobs, Louise, wusste so wenig über ihre Vorfahren, dass sie sich auf die Spurensuche begab. Dabei machte sie eine erstaunliche Entdeckung.<br />
</strong></p>
<p>die tageszeitung - 11. Dezember 2006 <a id="more-65"></a><br />
<strong>Während die Jacobs und ihr Unternehmen Nazizeit und Krieg nahezu unbeschadet überstanden und danach Teil des Wirtschaftswunders wurden, musste die mütterliche Seite der Familie aus Deutschland fliehen. Die Jessuruns waren Juden. Doch darüber wurde in der Familie Jacobs geschwiegen - bis Louise anfing nachzufragen. Über ihre Suche nach den eigenen Wurzeln hat die heute 24-Jährige ein Buch geschrieben: &#8220;Café Heimat&#8221;.<br />
</strong></p>
<p><em>taz: Frau Jacobs, ihr Opa, der Kaffeepatriarch Walther Jacobs, trank privat gern Tee, wie schmeckt denn Ihnen die &#8220;Krönung&#8221;?</em></p>
<p>Louise Jacobs: Ehrlich gesagt, ich trinke auch lieber Tee - oder Espresso.</p>
<p><em>Niemals Jacobs Kaffee?</em></p>
<p>Ich trinke kaum Filterkaffee. Aber kürzlich war ich eingeladen, da gab es richtig traditionell Kaffee und Kuchen. Und ich dachte mir: Mensch, dieser Kaffee schmeckt wirklich gut. Als ich später an der Küche vorbeiging, sah ich dort eine Tüte Jacobs Kaffee stehen. Ich musste lachen, dass hatte ich nicht erwartet.</p>
<p><em>In Deutschland ist den meisten Menschen die Firma Jacobs ein Begriff, aber nur wenige wissen, dass sie heute zum Kraft-Konzern gehört. Sie selbst sind weit entfernt von der ursprünglichen Bremer Firmenzentrale in der Schweiz aufgewachsen, was verbinden Sie mit Jacobs Kaffee?<br />
</em><br />
Mit Kaffee an sich verbindet mich viel. Ich liebe den Duft, mich fasziniert seine unvergleichliche Geschichte. Dass dies zum Teil auch zu unserer Familiengeschichte gehört, ist etwas sehr Schönes. Es ist schade, dass Jacobs Kaffee kein Familienunternehmen mehr ist. Wer weiß, vielleicht hätte ich einmal mit Kaffee gearbeitet.<br />
<em><br />
Es scheint, als habe das Unternehmen immer in Vordergrund gestanden. Über die Menschen in Ihrer Familie - besonders Ihre Großeltern - wussten Sie offenbar nur wenig.</em></p>
<p>Wir wohnten eben weit auseinander. Die Großeltern in Bremen, wir in der Schweiz, andere Familienmitglieder in den USA. Dennoch habe ich schon als Kind gespürt, dass über vieles nicht gesprochen wurde. Der Normalzustand war einfach das Nicht-Sprechen.<br />
<em><br />
Die Jacobs haben die Nazizeit gut überstanden, das Unternehmen galt als &#8220;kriegswichtig&#8221;. Ihre Vorfahren mütterlicherseits, die Jessuruns, mussten dagegen vor der Verfolgung der Nazis fliehen. Gab es aufgrund dieses Gegensatzes in der Familie Spannungen?</em></p>
<p>Die Zusammenführung dieser beiden Familien ist ja so unmöglich, dass es natürlich zu Spannungen gekommen ist. Doch es ist einfach auch hanseatisch, diese Spannungen zu überwinden, indem über Dinge nicht gesprochen wird. Ich war ein Kind und sollte davon nichts mitbekommen.<br />
<em><br />
Warum haben Sie begonnen nachzuforschen, was in Ihrer Familie geschehen ist?</em></p>
<p>Ein Auslöser war die Frage meines Freundes: Der hatte mich angeschaut und ganz direkt gefragt, warum ich eigentlich so dunkle Haare habe. Ob ich vielleicht spanische Vorfahren habe? Er war der Erste, der so knallhart fragte, woher ich eigentlich komme. Mich hat geschockt, dass ich ihm das nicht richtig beantworten konnte. Ich wusste nur, dass die Jacobs ein norddeutsches Bauerngeschlecht waren. Mehr nicht. Von der Familie meiner Mutter wurde gar nicht gesprochen. Ich habe zum Beispiel nicht gewusst, warum meine Mutter in Nicaragua geboren wurde oder wieso meine Großtante in den USA wohnt.</p>
<p><em>Sie haben also in Archiven gestöbert, sogar nach Rio de Janeiro und New York sind Sie geflogen, um Spuren Ihrer Familie zu finden. So erfuhren Sie etwa, dass die Vorfahren Ihrer Großmutter von spanischen Juden abstammten. Und Sie hörten auch zum ersten Mal, dass Ihre Großmutter von den Nationalsozialisten verfolgt wurde, die Familie 1938 über Portugal in die USA fliehen musste. Wie war es, das zu erfahren?</em></p>
<p>Ich konnte es gar nicht glauben. Ich hätte niemals damit gerechnet, jüdische Wurzeln zu haben. Aber mit diesem Wissen fügt sich vieles. Früher fühlte ich mich jüdisch, heute bin ich es. Ich kann es nicht besser beschreiben, aber ich spürte schon vorher eine Verbindung zum Judentum. Mit 14 Jahren war ich das erste Mal in Israel. Meine Mutter wollte damals diese Reise machen, um nach ihren verschütteten jüdischen Wurzeln zu suchen. Gesagt hat sie uns Kindern das aber natürlich nicht. Trotzdem, der Besuch in Israel hat auch mich lange beschäftigt.</p>
<p><em>Sie sind eigentlich Protestantin - was ändert sich durch die jüdischen Wurzeln?</em></p>
<p>Ich suche den Kontakt zu Juden, frage viel, lese viel. Diese Entdeckung hat hauptsächlich meinen Blickwinkel verändert. Aber dass ich mich mit dem Judentum beschäftige, heißt nicht, dass ich ab morgen nur noch koscher koche oder im jüdischen Lebensmittelladen einkaufe. Die Auseinandersetzung ist ein Prozess. Er wird mich noch lange beschäftigen.</p>
<p><em>Konnten Sie verstehen, warum so lange über die Vergangenheit geschwiegen wurde?</em></p>
<p>Meine Oma hat fast vierzig Jahre aus ihrem Leben ausgeklammert. Das war eine schreckliche Zeit, hat sie gesagt. Das war alles. Sie hat auch ihrer Tochter, meiner Mutter, niemals von ihrer Jugend erzählt - sie konnte nicht anders. Ich gehe mit der Vergangenheit anders um.</p>
<p><em>Und haben beschlossen, ein Buch zu schreiben?</em></p>
<p>Genau. Als ich begann, nachzuforschen, war mir klar, dass ich die Geschichte meiner Familie auch aufschreiben will. Ich habe schon immer geschrieben - und ich wollte auch gern etwas weitergeben können.</p>
<p><em>Wie hat eigentlich ihre Familie darauf reagiert, dass das Geheimnis der Vergangenheit damit gelüftet werden sollte? Besonders Ihre Großmutter?</em></p>
<p>Die Reaktionen waren positiv. Die meisten meiner Verwandten haben eingewilligt, mit mir über ihre Vergangenheit zu sprechen. Trotzdem musste ich erst das Eis brechen. Von alleine haben sie nichts erzählt. Meine Großmutter ist heute sehr stolz auf das Buch. Sie hat mittlerweile über dreißig Exemplare gekauft und verschenkt.</p>
<p><em>Der Einzige, der etwas gegen das Buch hatte, war also Ihr Vater?</em></p>
<p>Stimmt. Als ich ihm damals erzählte, was ich vorhabe, sagte er: Nein, das machst du nicht. Das war für mich umso mehr ein Grund, es trotzdem zu tun.</p>
<p><em>Warum war Ihr Vater denn so wenig begeistert von Ihrem Plan?</em></p>
<p>Ach, ihm war es unangenehm, mit der Vergangenheit konfrontiert zu werden. Er war außerdem der Meinung, dass man über die Familie einfach kein Buch schreibt. Richtig ernstgenommen haben mich meine Eltern die zweieinhalb Jahre nicht, in denen ich an dem Buch gearbeitet habe. Aber als das Buch schließlich erschien, war es mein Vater, der es als Erster gelobt hat.<br />
<em><br />
Wie hat sich das Verhältnis zu Ihren Eltern verändert, besonders das zu ihrer Mutter?</em></p>
<p>Das Verhältnis zu meinen Eltern hat sich nicht verändert. Vielleicht das Verhältnis meiner Eltern zu einander, ich weiß es nicht. Ich hoffe aber, meiner Mutter einen Anstoß zur Beantwortung offener Fragen gegeben zu haben.</p>
<p><em>Ihre Familie lebt verstreut in verschiedenen Ländern. Sie selbst haben früh die Schweiz verlassen, um erst in den USA, dann in Berlin zur Schule zu gehen. Heute leben Sie in Charlottenburg. Wo ist für Sie Heimat?</em></p>
<p>Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss, das hat Johann Gottfried Herder gesagt. Er hat Recht, finde ich. In der Schweiz habe ich mich früher immer unwohl gefühlt, anders als die anderen. Das fing schon mit der Sprache, dem Schweizerdeutsch an: Ich kann es natürlich sprechen, hatte aber immer den Eindruck, mich nicht richtig darin ausdrücken zu können. Hochdeutsch war mir immer näher. In die USA bin ich damals wohl auch gegangen, weil ich intuitiv nach meiner Heimat suchte. Ich habe sie dort aber nicht gefunden.<br />
<em><br />
Welche Rolle spielt das Buch für Sie?</em></p>
<p>Die Suche nach meinen Wurzeln war sehr wichtig für mich. Meine Vorfahren sind Wegweiser in meinem Leben geworden. </p>
<p><a href="http://www.taz.de/pt/2006/12/11/a0222.1/text.ges,1">Artikel online lesen<a/>
</p>
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		<title>Darum verlassen wir Polen</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Aug 2006 05:30:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[Keine Arbeit, keine Perspektive, geistige Enge - viele junge Polen verlassen das Land. Weil sie Geld brauchen wie Monika. Oder weil sie in Westeuropa ihre Zukunft sehen wie Krzysztof und Katarzyna. 
die tageszeitung - 26. Juli 2006 
Irgendwann wollte sie die Briefe nicht mehr öffnen, die ihre Mutter ihr auf den Küchentisch gelegt hatte. Warum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Keine Arbeit, keine Perspektive, geistige Enge - viele junge Polen verlassen das Land. Weil sie Geld brauchen wie Monika. Oder weil sie in Westeuropa ihre Zukunft sehen wie Krzysztof und Katarzyna. </strong></p>
<p>die tageszeitung - 26. Juli 2006 <a id="more-48"></a><br />
Irgendwann wollte sie die Briefe nicht mehr öffnen, die ihre Mutter ihr auf den Küchentisch gelegt hatte. Warum auch, es waren ja doch nur Absagen. Etliche Bewerbungen hat Monika Mlynarska* geschrieben, sogar Vorstellungsgespräche und Einstellungstests hinter sich gebracht, und dennoch klappte es nie: Trotz ihres guten Diploms in Elektrotechnik fand die 27-Jährige aus dem polnischen Wroclaw einfach keine Stelle als Programmiererin. Fast zwei Jahre ist das her. Wenn Monika davon erzählt, klingt sie noch immer beschämt. &#8220;Ich war so frustriert&#8221;, gesteht sie, &#8220;mit jeder gescheiterten Bewerbung habe ich mehr meine Hoffnung verloren, dass ich einen Job finden würde.&#8221;<br />
Mit dieser Erfahrung ist Monika nicht allein. Es fehlt an Arbeit in Polen. Auch wenn die Erwerbslosenquote langsam sinkt, ist sie mit 17 Prozent die höchste innerhalb der Europäischen Union. Hart trifft es besonders Berufseinsteiger wie Monika: Die Hälfte aller Arbeitslosen sind zwischen 15 und 34 Jahre alt. Selbst qualifizierte Arbeitskräfte suchen verzweifelt nach einer Stelle, finden aber häufig keine oder nur schlecht bezahlte Jobs. Wer jung, gut ausgebildet und motiviert ist, hat kaum eine andere Chance, als wegzugehen.<br />
Monika hatte nach rund einem Jahr erfolgloser Suche genug. Im vergangenen Herbst entschied sie sich auszuwandern - wie viele ihrer Landsleute in den letzten zwei Jahren, seit Polens EU-Beitritt. Zwei Millionen sollen das Land schon verlassen haben, schätzen Warschauer Migrationsforscher.<br />
&#8220;Ich wollte einfach einen Job&#8221;, sagt Monika. &#8220;Kellnern oder Babysitting - egal. Ich brauchte etwas, womit ich Geld verdienen konnte.&#8221; Sie packte zwei Koffer und kaufte sich ein Flugticket nach Manchester, dort hatte sie polnische Freunde. Am ersten Tag meldete sie sich in der Arbeitsagentur. Weil Osteuropäer in Großbritannien keinerlei Arbeitsbeschränkungen unterliegen, fand Monika schon kurze Zeit später ihre erste Stelle als Kellnerin in einem Restaurant. Wenige Wochen später wechselte sie als Aushilfe in eine Druckerei, dann arbeitete sie in der Damenabteilung eines Kaufhauses.<br />
Regale auffüllen, Kundinnen bedienen, kassieren - die Arbeit war nicht schwer. 160 Pfund (230 Euro) verdiente sie pro Woche. Nicht viel, aber mehr als viele in Polen verdienen. Und genug, um etwas zu sparen. Monika hätte zufrieden sein können. Doch sie fühlte sich fremd in Manchester. Trotz der vielen Landsleute, die sie morgens im Bus traf. Trotz der Freunde, mit denen sie die Wohnung teilte. Monika vermisste Polen. Eines Tages bei der Arbeit, sie legte gerade einen Pullover zusammen, hielt sie inne und dachte: &#8220;Was tue ich bloß hier?&#8221; Monika machte Schluss mit den Gelegenheitsjobs. &#8220;Ich wollte nicht länger meine Zeit verschwenden&#8221;, sagt sie.<br />
Vor wenigen Wochen ist Monika nach Polen zurückgekehrt. Sie will es noch einmal probieren, dort ihren Traumjob im IT-Bereich zu finden. Wenn es diesmal nicht gelingt, wird sie wohl wieder gehen. Es gibt schließlich immer noch England.</p>
<p>Es nervte ihn: alte Computer, kaum Overheadprojektoren, die schlecht ausgestattete Bibliothek. Krzysztof Rosinski* studierte mehrere Semester Wirtschaftssprachen im südpolnischen Sosnowiec und ärgerte sich über die überfüllten Vorlesungen und die Seminarräume, von deren Decke der Putz rieselte. Der 24-Jährige brach sein Studium ab. Eine bewusste Entscheidung gegen das polnische Bildungssystem: &#8220;Die Lehrinhalte orientierten sich kaum an den Realitäten des Arbeitsmarktes&#8221;, kritisiert er. Krzysztof wollte so nicht studieren. Er wollte weg. &#8220;Mit einem deutschen Diplom habe ich bessere Chancen&#8221;, da ist er sich sicher. Krzysztof bewarb sich beim Hochschulinstitut in Zittau und wurde genommen.<br />
Doch selbst aus dieser Distanz zum Heimatland lässt es ihm keine Ruhe, was dort passiert. Oder auch nicht passiert. Die Regierung investiere zu wenig in Bildung und Infrastruktur, findet er. &#8220;So kommt das Land doch nie vorwärts.&#8221;<br />
Tatsächlich blieb für solche dringend benötigten Investitionen bislang nicht viel Geld. Denn ein Großteil des polnischen Haushalts fließt in die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Die Regierung in Warschau unterhält nämlich heute neben den Arbeitslosen auch ein Heer von Invalidenrentnern und Frühpensionären. Hunderttausende Menschen waren in den Neunzigerjahren aus unproduktiven Jobs in die Obhut des Staates abgeschoben worden. Mit den arbeitsmarktpolitischen Konsequenzen hat Polen heute zu kämpfen.<br />
Aber nicht nur darüber schüttelt Krzysztof den Kopf, auch über die Art, wie sich der Präsident im Ausland präsentiert. &#8220;Das ist mir als Pole einfach peinlich&#8221;, sagt er. Lech Kaczynskis jüngste Reaktionen auf eine taz-Satire empfindet er als &#8220;Realsatire&#8221;. Er hofft, dass aus dieser Geschichte kein allzu großer Imageschaden für sein Land entsteht.<br />
Der Widerstand, der sich an Universitäten und Schulen vor einigen Wochen erstmals gegen die Regierung regte, freut ihn deshalb. In Warschau waren Anfang Juni einige tausend Studenten gegen Bildungsminister Roman Giertych auf die Straße gegangen, der als rechtsextrem und nationalistisch gilt. Auch unter Intellektuellen und Lehrern regte sich Widerstand, als Giertych vorschlug, Patriotismusunterricht an den Schulen einzuführen. &#8220;Es denken eben nicht alle so wie die Regierung&#8221;, sagt Krzysztof und lächelt.<br />
Seine Zukunft sieht er trotzdem nicht in Polen. Vorerst. Nicht dass er dort nicht gern einen Job hätte, doch viel Hoffnung, einen zu finden, hat er nicht: &#8220;Bei den Arbeitslosenzahlen? Aussichtslos&#8221;, sagt er. Dann lieber in Deutschland bleiben.<br />
Im Moment absolviert er im Rahmen seines Studiums ein halbjähriges Praktikum bei einer Unternehmensberatung in Köln. Die Arbeit gefällt im gut. Nach dem Abschluss würde er gern in Deutschland einige Jahre arbeiten, dann vielleicht zurück nach Polen gehen.<br />
So wie sein älterer Bruder, der sein Geld in den Niederlanden als IT-Manager verdiente. &#8220;Vielleicht suche ich mir aber auch einen Job in Österreich oder in der Schweiz&#8221;, überlegt Krzysztof, &#8220;dort würde es mir auch gefallen&#8221;. Hauptsache Ausland.</p>
<p>Katarzyna Razek* ist keine, die Zeit verschwendet: Rasch taucht die schmale junge Frau den Mopp in den Eimer und wischt den gefliesten Küchenboden. Die 23-Jährige muss sich beeilen, schließlich wird sie nur für drei Stunden bezahlt, und es müssen noch die Betten gemacht, das Wohnzimmer gesaugt und das Bad gereinigt werden.<br />
Einmal wöchentlich sorgt die Germanistikstudentin bei einer Berliner Familie für Ordnung. Sieben Euro bekommt sie dafür pro Stunde. An anderen Tagen hilft sie in einem Büro aus, jobbt als Hostess auf Messen und versucht nebenbei ihre Magisterarbeit zu beenden. Zusammen mit einem Stipendium bekommt sie etwa 350 Euro im Monat zusammen. Das ist nicht viel, aber immer noch mehr, als sie zu Hause verdienen würde. Katarzynas Zuhause liegt in Czestochowa.<br />
Mit dem europäischen Studentenaustauschprogramm Erasmus kam sie vor einem Jahr nach Berlin, und nach ihren Abschlussprüfungen im Herbst möchte sie bleiben. Am liebsten für länger. Das wird zwar nicht leicht, denn trotz des Beitritts von Polen zur Europäischen Union ist der deutsche Arbeitsmarkt für Zuwanderer aus dem Osten beschränkt. Noch bis 2009, vielleicht sogar bis 2011 brauchen osteuropäische Arbeitskräfte eine Arbeitsgenehmigung. Doch für Katarzyna stehen die Chancen nicht schlecht: Gerade hat sie sich bei einer Softwarefirma in Leipzig beworben, die dringend eine polnische Muttersprachlerin für Übersetzungen braucht. In diesem Fall dürfte das Unternehmen sie deutschen Bewerbern vorziehen. Es sieht so aus, als könne sich Katarzynas Traum erfüllen: &#8220;Ich wollte schon immer weg von zu Hause&#8221;, erzählt sie, &#8220;am liebsten in eine große Stadt oder ins Ausland.&#8221;<br />
Nach dem Schulabschluss blieb Katarzyna jedoch erst einmal, wo sie war: in Czestochowa. Sie begann zu studieren und wohnte bei ihren Eltern. In Berlin lebt Katarzyna nun im Wohnheim. Das kleine Zimmer bedeutet für sie die große Freiheit: &#8220;Hier habe ich erstmals überhaupt ein Zimmer für mich&#8221;, erzählt sie, &#8220;zu Hause musste ich eins mit meiner kleinen Schwester teilen.&#8221; Katarzyna fühlt sich wohl in Deutschland. Mehr noch: Hier kann sie endlich das anwenden, was sie jahrelang gebüffelt hat: deutsche Grammatik.<br />
Ihre Eltern wollten zunächst gar nicht einsehen, warum es ihre Tochter ins Ausland zog. Auch die Sorge, keinen Arbeitsplatz zu finden, ließen sie nicht gelten: &#8220;Wieso? Vater sucht dir eine Stelle!&#8221;, hieß es dann. Katarzyna stöhnt beim Gedanken daran: &#8220;Schrecklich. Diese Einstellung ist in Polen weit verbreitet.&#8221; Doch sie wollte sich lieber auf sich als auf Beziehungen verlassen. Und überhaupt, was konnte das für eine Arbeit sein? Während ihres Studiums hatte sie immer wieder nach Jobs gesucht, um sich das Studium zu finanzieren: Sie hat Nachhilfe gegeben und sogar ein Jahr lang als Grundschullehrerin gearbeitet. Doch den gewünschten Job als Übersetzerin fand sie nicht. Dass das nun anders sein soll, kann sich Katarzyna nicht vorstellen.<br />
Sie hat sich entschieden. Zurück nach Polen möchte sie nicht: &#8220;Ich habe dort keine Zukunft&#8221;, sagt sie bestimmt.</p>
<p>* Alle Namen sind geändert</p>
<p><a href="http://www.taz.de/pt/2006/07/26/a0135.1/text">Artikel online lesen</a>
</p>
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		<title>Zu Hause ist Krieg</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Jul 2006 11:41:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[In Israel und im Libanon fallen Raketen und Bomben. Die Menschen leben in Angst - auf beiden Seiten der Grenze. Doch auch für ihre Angehörigen in Deutschland ist es eine belastende Situation. Wie für Ruth und Adonis. Sie fühlen sich und die Heimat bedroht.
die tageszeitung - 3. August 2006 
Ihr Flugzeug aus Griechenland war kaum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In Israel und im Libanon fallen Raketen und Bomben. Die Menschen leben in Angst - auf beiden Seiten der Grenze. Doch auch für ihre Angehörigen in Deutschland ist es eine belastende Situation. Wie für Ruth und Adonis. Sie fühlen sich und die Heimat bedroht.</strong></p>
<p>die tageszeitung - 3. August 2006 <a id="more-49"></a></p>
<p>Ihr Flugzeug aus Griechenland war kaum in Berlin gelandet, als es passierte: Gerade noch hatte Ruth mit anderen Künstlern und Kulturschaffenden über ihre neue Idee für eine Ausstellung gesprochen, die Bewegung in die verhärteten Fronten zwischen Israelis und Palästinensern bringen soll, da fielen die ersten Bomben. Der Nahostkonflikt eskalierte. Wieder. Diesmal an der Grenze zum Libanon, dort, wo die 35-jährige Israelin aufgewachsen ist. Für Ruth, die seit 15 Jahren als Fotografin in Berlin lebt, ein harter Schlag: Hisbollah-Milizen hatten nur wenige Kilometer von ihrer Heimatstadt Haifa entfernt Katjuscha-Raketen abgefeuert, mehrere Soldaten getötet und zwei Gefangene genommen.<br />
Israels Antwort waren Bombenangriffe. Seitdem hat Ruths Familie schon mehrmals die Nacht im Bunker verbracht - wie so viele der etwa 270.000 Einwohner von Haifa.</p>
<p>Das Heimatdorf ist leer</p>
<p>Eigentlich sollte auch Adonis in drei Tagen in einem Flugzeug sitzen. Nach Beirut wollte er: Ferien machen, seinen Vater besuchen, endlich die Freunde zu Hause wiedersehen. Doch zu Hause ist Krieg, und Flugzeuge fliegen längst nicht mehr nach Beirut. Der Flughafen ist zerstört. Adonis&#8217; Flug wurde storniert, und der 25-jährige Medizinstudent blieb, wo er war: in Berlin, wo er seit sieben Jahren bei seiner deutschen Mutter wohnt. Doch dort, wo er aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, im Süden des Libanons, haben Bomben viele Ortschaften unweit der israelisch-libanesischen Grenze zerstört. Menschen wurden verletzt oder sind unter den Trümmern ihrer eingestürzten Häuser gestorben. Adonis&#8217; Heimatdorf Srifa, etwa neun Kilometer von der Grenze entfernt, ist mittlerweile fast menschenleer: Von 5.000 Einwohnern sind nur etwa 100 geblieben. Die anderen sind auf der Flucht. Auch sein Vater, die Stiefmutter und die jüngeren Geschwister haben längst ihre Koffer gepackt und das Dorf in Richtung Norden verlassen. Ob ihr Haus noch steht, wenn sie zurückkehren, wissen sie nicht.</p>
<p>Ohnmächtige Zuschauer</p>
<p>All dem, was in seiner Heimat geschieht, kann Adonis in Berlin nur ohnmächtig zusehen. Vor dem Fernseher. Im Internet. &#8220;Das Erste, was ich morgens mache, ist den Computer einzuschalten und zu sehen, was wieder passiert ist&#8221;, sagt er mit einem ernsten Blick durch seine schmale, graue Brille. Seit drei Wochen ist das Lesen von Meldungen die erste Handlung des Tages - und die letzte, bevor er schlafen geht. Wenn er schon nicht viel tun kann, dann will er wenigstens so viel wie möglich erfahren. Die Nachrichten zu verfolgen, hilft gegen die quälende Ungewissheit, vor allem dann, wenn er keinen Handykontakt mit seinem Vater halten kann. Mindestens einmal täglich telefonieren sie. Doch zu Beginn der Unruhen riss der Kontakt plötzlich ab. Das Funknetz im Südlibanon war zusammengebrochen. &#8220;Israel hat die Funkmasten bombardiert&#8221;, da ist sich Adonis sicher. Fünf Tage lang gab es kein Lebenszeichen. Adonis machte sich große Sorgen. Über den arabischen Fernsehsender al-Dschasira erfuhr er schließlich, dass dort, wo seine Familie sich zuletzt aufgehalten hatte, gerade keine Bomben niedergingen. Adonis atmete auf. Inzwischen ist seine Familie über Tyrus, Saida und Beirut in Tripoli, im Norden des Libanons, angekommen. Freunde hatten ihnen dort eine leer stehende Wohnung vermittelt. Ein Glück, denn die meisten Flüchtlinge müssen in Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden übernachten.</p>
<p>Wie für Adonis waren auch für Ruth die vergangenen drei Wochen ein Ausnahmezustand: Noch immer telefoniert sie mehrmals täglich nach Israel, will sich vergewissern, dass es Familie und Freunden dort gut geht. Denn zu Hause in Haifa steht das Leben still: Die Straßen sind leer, der Busverkehr ist eingeschränkt, viele Läden öffnen nur sporadisch. Die meisten Bewohner haben die Hafenstadt verlassen, so wie Ruths jüngerer Bruder und seine Frau. Vor wenigen Tagen haben sie Zuflucht bei Freunden in Beer Schewa, im Süden Israels, gefunden. Raketenbeschuss, Sirenengeheul und die Nächte im stickigen Bunker - für die Eltern von zwei Kleinkindern war das nicht länger zu ertragen. Doch viele Menschen sind trotzdem in Haifa geblieben, so wie Ruths Eltern. Sie überlebten als Kinder den Holocaust, bauten das Land auf, verteidigten es in allen folgenden Kriegen. Heute sind sie weit über siebzig und wollen nicht mehr fliehen. &#8220;Dabei hat meine Mutter große Angst&#8221;, sagt Ruth.Und sie ist nicht die Einzige. Ruth erzählt von einer Freundin, deren Mann als Pilot Angriffe über dem Libanon fliegt. Beide könnten kaum noch schlafen, sie aus Angst um ihn, er vor Sorge, mit den Bomben wieder Zivilisten zu treffen. </p>
<p>Doch selbst im &#8220;sicheren Deutschland&#8221; ist die Situation für Ruth belastend: Immer wieder hat sie mit anderen über den Konflikt diskutiert, hat mit sich gerungen: Darf so ein Krieg sein? Gibt es eine Alternative? Doch wenn Israels Existenz auf dem Spiel steht, dann sieht sie keine. Und dass sie auf dem Spiel steht, da ist sie sich sicher angesichts der Drohungen aus Iran. Sie macht es sich nicht leicht, über den Krieg zu urteilen. Umso mehr ärgert es sie, wenn andere es tun: Erst vor ein paar Tagen geriet sie in eine Diskussion mit einem Taxifahrer: &#8220;Auf Israel bin ich schlecht zu sprechen&#8221;, ließ er sie auf der Fahrt prompt wissen. &#8220;Israel hat Kinder im Libanon umgebracht.&#8221; Ruth versuchte ruhig zu bleiben und zu erklären, dass das furchtbar sei, aber eben nur die eine Seite der Medaille. Sie ist noch immer aufgebracht: &#8220;Der sitzt in seinem vollklimatisierten Auto im sicheren Deutschland und glaubt genau zu wissen, was richtig und was falsch ist - aber was weiß er schon davon, wie es ist, in Israel zu leben?&#8221; Ruth ist mit dem allgegenwärtigen Gefühl der Bedrohung aufgewachsen: Krieg, Bombenattentate, Sirenengeheul, Gasmasken, Nächte im Bunker - sie kennt das alles. Sie hat wie jeder Jugendliche in Israel ihren zweijährigen Militärdienst abgeleistet, ist gewöhnt an Soldaten auf den Straßen, Sicherheitskontrollen vor jedem Kaufhaus, jedem Restaurant. Auch wenn sie kein ängstlicher Mensch ist, hat sie gelernt, vorsichtig zu sein. Selbst hier in Deutschland. &#8220;Die Hisbollah hat angekündigt, Israelis im Ausland zu entführen&#8221;, erklärt Ruth. Ihren vollen Namen möchte sie deshalb nicht in der Zeitung lesen, auch über ein Foto musste sie gründlich nachdenken, bevor sie zustimmte. </p>
<p>Je mehr der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah eskaliert, desto weniger will Adonis in Berlin untätig sein. So ruhig und überlegt er auch wirken mag, jeder neue Bombenangriff und jede neue Nachricht aus seinem zerstörten Heimatland machen ihn wütend und traurig. Adonis engagiert sich nun zusammen mit anderen Studenten in der deutsch-libanesischen Gemeinde. Ein Komitee haben sie gegründet, damit Medikamente verschickt, Geld transferiert und vor allem auch Demonstrationen organisiert werden können. &#8220;Da unten geschieht Unrecht&#8221;, sagt Adonis mit nicht zu überhörender Bitterkeit in der Stimme, &#8220;es ist ein Kriegsverbrechen, die Infrastruktur eines Landes zu zerstören und Zivilisten zu beschießen, das wollen wir der deutschen Öffentlichkeit vor Augen halten&#8221;. Deshalb geht er nun schon zum zweiten Mal in dieser Woche auf die Straße. </p>
<p>Ruth möchte auch etwas bewegen, auf lange Sicht: Vor drei Jahren startete sie in Ramle, zwischen Jaffa und Jerusalem gelegen, ein Fotoprojekt mit arabischen und israelischen Kindern. Sie leben dort in nächster Nähe - jedoch ohne wirklichen Kontakt miteinander zu haben. &#8220;Viele israelische Kinder würden nie in Straßen gehen, in denen die arabischen Kinder wohnen, und umgekehrt&#8221;, erzählt Ruth, während sie in ihrer Küche den Tisch für das Abendessen deckt. &#8220;In dem Projekt sollten sie aber für die anderen ihre Straßen und Wohnungen fotografieren - und siehe da, plötzlich merkten sie, dass da Menschen wie sie wohnten&#8221;. Ruth lächelt, streicht ihre widerspenstigen Locken aus der Stirn. &#8220;Manchmal sind wir uns doch gar nicht so unähnlich: Israelis und Araber sind laut, temperamentvoll, sie hängen ihre Wäsche zum Trocknen auf die Straße und sie lieben dasselbe Essen!&#8221; Und tatsächlich, der Salat aus Petersilie, Gurken und Tomaten, den sie selbst gern zubereitet, wird in Israel nur &#8220;Arabischer Salat&#8221; genannt. Er gehört zu den beliebtesten Gerichten im Land.</p>
<p>Es gibt kein Vertrauen</p>
<p>Warum Israelis und Palästinenser es dennoch nicht schafften, in Frieden zusammenzuleben, das wird Ruth oft gefragt. Auch sie hat darüber nachgedacht und stellt nun eine Gegenfrage: &#8220;Was würden Deutsche sagen, wenn die Niederlande plötzlich Hamburg beschießen würden und dann argumentierten, Friede könne erst herrschen, wenn Deutschland von der Landkarte getilgt sei?&#8221; Israel fehle ein verlässlicher Gesprächspartner für Friedensgespräche, meint sie. Das Land sei umgeben von Ländern mit anderer Kultur und Mentalität. &#8220;Deshalb tun sich Israel und seine arabischen Nachbarn so schwer, vertrauensvoll miteinander zu sprechen.&#8221; Umso dringlicher sei es, Verständigungsarbeit zu leisten. Ruth möchte mithelfen. Das nächste Projekt ist schon in Planung: Auf die Mauer, die in Jerusalem palästinensisches und israelisches Gebiet trennt, möchte sie Fotos projektieren: Fotos von Israelis auf die palästinensische Seite, Bilder palästinensischen Lebens auf die israelische. Sie will Geschichten aus dem jeweils unbekannten Teil des Landes erzählen. So hofft Ruth, vorgefestigte Vorurteile auf beiden Seiten aufzuweichen.</p>
<p>Verständnis für die Wut</p>
<p>Vor dem Roten Rathaus werden libanesische und palästinensische Fahnen geschwungen, arabische Musik schallt herüber, Plakate werden in die Höhe gehalten. Die Demonstration formiert sich. Auch Adonis ist gekommen, aber eine Fahne hat er nicht mitgebracht, das ist nicht seine Sache. Auch in die vereinzelten Sprechchöre, die die Regierenden in Israel und in den USA als &#8220;Mörder&#8221; beschimpfen und sogar &#8220;Tod Israel&#8221; fordern, stimmt er nicht mit ein. Doch er hat Verständnis für die Wut seiner Landleute. Auch dafür, dass die Hisbollah bei vielen Libanesen wieder so hoch im Kurs steht. &#8220;Wer soll uns sonst verteidigen, wo doch das libanesische Militär und die UN-Truppen so schwach sind?&#8221; Es klingt wie eine Rechtfertigung. &#8220;Die Welt muss einfach sehen, dass Israel uns nicht in Ruhe lässt&#8221;, sagt er, während der Menschenzug in die Friedrichstraße abbiegt. &#8220;Ich plädiere nicht für Krieg, überhaupt nicht&#8221;, beteuert er weiter, &#8220;aber wir sind ein kleines Land und Israel ist mächtig mit seinen vielen Waffen. Wir fühlen uns einfach bedroht.&#8221;</p>
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</p>
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		<pubDate>Wed, 05 Jul 2006 16:36:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
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		<title>Großes Theater</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Jul 2006 16:26:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
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Serviceseite “Kultur” der Berliner Zeitung, 24. August 2005
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Puppenspielerszene in Berlin ist einzigartig. In Kürze starten die neuen Programme.</strong></p>
<p>Serviceseite “Kultur” der Berliner Zeitung, 24. August 2005</p>
<p><a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads/Redaktion/blz_rfd_puppentheater.pdf" title="Seite als Pdf" target="_blank">Seite ansehen</a>
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		<title>Der Traum vom Baggern</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Jul 2006 16:16:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Berliner Zeitung</category>
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		<description><![CDATA[Astronaut, Pilot oder Feuerwehrmann – wo Männerträume wahr werden
Serviceseite “Freizeit” der Berliner Zeitung, 5. August 2005
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]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Astronaut, Pilot oder Feuerwehrmann – wo Männerträume wahr werden</strong></p>
<p>Serviceseite “Freizeit” der Berliner Zeitung, 5. August 2005</p>
<p><a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads/Redaktion/blz_rfd_ungewo%CC%88hnlichehobbies.pdf" title="Seite als Pdf" target="_blank">Seite ansehen</a>
</p>
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		<title>Ich ess Blumen</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2006/redaktion/berliner-zeitung/ich-ess-blumen.htm</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Jul 2006 11:47:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Berliner Zeitung</category>
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		<description><![CDATA[Blüten sehen nicht nur gesund aus, viele sind auch gesund und schmecken gut.

Serviceseite &#8220;Genuss&#8221; der Berliner Zeitung, 30./ 31. Juli 2005
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]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Blüten sehen nicht nur gesund aus, viele sind auch gesund und schmecken gut.<br />
</strong><br />
Serviceseite &#8220;Genuss&#8221; der Berliner Zeitung, 30./ 31. Juli 2005</p>
<p><a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads/Redaktion/blz_rfd_blumenessen.pdf" title="Seite als Pdf" target="_blank">Seite ansehen</a>
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		<title>Aus einem Abenteuer wird Alltag</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2006/text/alltag.htm</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Jun 2006 15:17:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[<strong>Eine Fahrt im Berlin-Warschau-Express zwei Jahre nach der EU-Ost-Erweiterung</strong>

Der Tagesspiegel, Die Dritte Seite – 3.5.2006
Von Sandra Schmid

Für Ewa Szlifisz beginnt Polen am Bahnhof Zoo. Dort steigt sie jeden Freitag in den Berlin-Warschau-Express, Sonntag geht es wieder zurück. Im Zug spricht man polnisch, akzeptiert Zloty und serviert im Zugrestaurant Zywiec-Bier, Kotlet schabowy und polnische Mehlsuppe. Jedes Wochenende verbringt die 56-Jährige rund zwölf Stunden im Zug der polnischen Eisenbahngesellschaft. Seit fünf Jahren verbindet er die deutsche und die polnische Hauptstadt, seit zwei Jahren ohne dabei die Europäische Union zu verlassen. Am 1. Mai 2004 wurde Polen Mitglied der EU.
Ewa Szlifisz ist in Warschau geboren, wohnt seit dreißig Jahren in Berlin. Seit sechs Jahren pendelt sie zwischen ihrem Leben als Übersetzerin im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und dem mit Mann und Freunden in Warschau. Einpacken, auspacken, ankommen, abfahren: Das typische Pendlerlos. Rund sechs Stunden braucht der Berlin-Warschau-Express von Hauptstadt zu Hauptstadt, aber Ewa Szlifisz sagt: „Für mich ist das Erholung“. Sie empfindet die Fahrt als behutsamen Wechsel von einem Leben zum anderen. Zwischen Abfahren und Ankommen liegt vor allem eins: Zeit. Viel Zeit - um sich in eine polnische Zeitung zu vertiefen, die sie oft unterwegs kauft - oder um sich mit der Freundin im Zugrestaurant auf einen Kaffee zu verabreden. 
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Rerportage: Eine Fahrt im Berlin-Warschau-Express zwei Jahre nach der EU-Ost-Erweiterung</strong></p>
<p><strong>Für Ewa Szlifisz beginnt Polen am Bahnhof Zoo. Dort steigt sie jeden Freitag in den Berlin-Warschau-Express, Sonntag geht es wieder zurück. Im Zug spricht man polnisch, akzeptiert Zloty und serviert im Zugrestaurant Zywiec-Bier, Kotlet schabowy und polnische Mehlsuppe.</strong> </p>
<p>Der Tagesspiegel, Die Dritte Seite – 3. Mai 2006 <a id="more-1"></a><br />
Jedes Wochenende verbringt die 56-Jährige rund zwölf Stunden im Zug der polnischen Eisenbahngesellschaft. Seit fünf Jahren verbindet er die deutsche und die polnische Hauptstadt, seit zwei Jahren ohne dabei die Europäische Union zu verlassen. Am 1. Mai 2004 wurde Polen Mitglied der EU.<br />
Ewa Szlifisz ist in Warschau geboren, wohnt seit dreißig Jahren in Berlin. Seit sechs Jahren pendelt sie zwischen ihrem Leben als Übersetzerin im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und dem mit Mann und Freunden in Warschau. Einpacken, auspacken, ankommen, abfahren: Das typische Pendlerlos. Rund sechs Stunden braucht der Berlin-Warschau-Express von Hauptstadt zu Hauptstadt, aber Ewa Szlifisz sagt: „Für mich ist das Erholung“. Sie empfindet die Fahrt als behutsamen Wechsel von einem Leben zum anderen. Zwischen Abfahren und Ankommen liegt vor allem eins: Zeit. Viel Zeit - um sich in eine polnische Zeitung zu vertiefen, die sie oft unterwegs kauft - oder um sich mit der Freundin im Zugrestaurant auf einen Kaffee zu verabreden.<br />
An diesem Freitagmorgen ist es kalt. Der Brezelverkäufer fröstelt hinter seinem Stand, die Menschen tragen zum sehr müde Gesichter. Ewa Szlifisz betritt pünktlich um 6.30 Uhr mit Tasche und Trolley Gleis 2 am Bahnhof Zoo. Eine schmale, elegante Frau mit schulterlangen, braunen Haaren. Als der Berlin-Warschau-Express mit seinen blauen Streifen auf den weißgespritzten Waggons schließlich einfährt und hält, steigen nur wenige Menschen mit ihr ein. Es gibt genügend freie Plätze in dem einzigen Großraumwagen, in dem Ewa Szlifisz stets versucht, einen Platz zu finden. Eine alte Gewohnheit: „Ich mag einfach keine Abteile“, erklärt sie und lässt sich auf einen der braun-beige-gesprenkelten Sitze sinken. Nicht nur die sind hier übrigens braun und beige, sondern auch die Wände, Gardinen und Gepäckfächer – ganz nach dem Geschmack achtziger Jahre. Zur Toilette ist es ein Zeitsprung von dreißig Jahren: Hier ist alles aus mintfarbenem Resopal.</p>
<p>6 Uhr 37 Uhr. Der Berlin-Warschau-Express fährt pünktlich ab, vorbei am neuen Hauptbahnhof, von wo er künftig starten wird und vorbei am Bahnhof Friedrichstraße, wo für Ewa Szlifisz bis zur Wende 1989 immer Endstation war, wenn sie mit ihrem Mann von Warschau nach West-Berlin fahren wollte. Ihr Mann, von Beruf Ingenieur, hatte dort 1976 eine Stelle bei einer schweizerischen Firma angenommen. Wann immer die Szlifiszs aus Warschau am Bahnhof Friedrichstraße ankamen und mit der S-Bahn in Richtung Zoo weiterfahren wollten, hieß es: Aussteigen, runter vom Gleis in die Grenzabfertigungsstelle, den „Tränenpalast“, Koffer öffnen, Pässe vorzeigen und sich von den DDR-Grenzkontrolleuren neidisch angucken lassen: „Die mochten uns Polen nicht“, erinnert sich Ewa Szlifisz, „wir konnten rüber in den Westen, sie nicht“. Heute gibt es am Bahnhof Friedrichstraße nur noch selten Tränen – und auch der Zug hält hier schon lange nicht mehr. Am Ostbahnhof dagegen schon. Es ist der letzte Halt in Berlin. Als der Zug sich wieder in Bewegung setzt, sind die Waggons nahezu voll besetzt: Deutsche und Polen, Anzugträger, Rucksackreisende, ältere Frauen mit Taschen und Tüten haben ihre Plätze gefunden.</p>
<p>7 Uhr 41 Uhr. In Frankfurt/ Oder meldet sich der Zugchef – zum letzten Mal auf deutsch. Er empfiehlt das Bordrestaurant und nennt mit knarzender Stimme die nächsten Reisemöglichkeiten. Viele sind es nicht: Nach Cottbus, nach Eisenhüttenstadt – oder zurück, über Berlin nach Magdeburg. Dann verabschiedet er sich. „Dzien dobry!“ begrüßt sein polnischer Kollege die Fahrgäste. Kaum hat der Zug gehalten, steigen die Grenzpolizisten aus Polen und Deutschland zu. Zu zweit durchkämmen sie Waggon für Waggon. Bisher hatten die meisten Fahrgäste noch geschlafen, doch jetzt kommt Leben in den Zug. Man kramt nach Pass oder Personalausweis, die Grenzbeamten prüfen akribisch. Mit dem Beitritt zur Europäischen Union vor fast zwei Jahren hat Polen das Schengener Abkommen unterzeichnet. Die Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze bleiben trotzdem voraussichtlich bis 2007 bestehen. Drei junge Schweizer kontrollieren die Grenzpolizisten jedenfalls noch mit eidgenössischer Genauigkeit. Kurz darauf passiert der Zug im leichten Nebel die Oder.</p>
<p>Zwanzig Minuten später. In Rzepin, dem erste Halt auf polnischem Boden, verlassen die Polizisten den Zug. Sie haben alle Fahrgäste kontrolliert, keine besonderen Vorkommnisse. Ewa Szlifisz steigt kurz aus, um sich eine Zeitung zu kaufen. Beeilen muss sie sich nicht. Als routinierte Pendlerin weiß sie, dass der Zug hier zehn Minuten hält. Die Lok muss gewechselt werden. Trotz europäischer Harmonisierungsbestrebungen – mit Stromart und Spannung des polnischen Schienenverkehrs kommen deutsche Loks nicht zurecht. Unter dem Stichwort „Interoperationalität“ versucht die Europäische Kommission seit Jahren die unterschiedlichen Eisenbahnsysteme zu vereinheitlichen. Man kommt nur mühsam voran.</p>
<p>10 Uhr 15 Uhr. Im Zugrestaurant beginnt für Mariusz Klimczuk und Adam Miller von der „polnischen Mitropa“, die hier WARS heißt, eine heiße Arbeitsphase: Nach dem Halt in Posen sind alle acht Tische, bestückt mit Schirmlämpchen und gelben Plastikblumen, komplett besetzt. Ein Tablett nach dem anderen mit Kaffee und Frühstück balancieren die beiden durch den schaukelnden Wagen. Auch Ewa Szlifisz bestellt Kaffee. Das Frühstück im Zugrestaurant ist ein liebgewonnenes Ritual. Immer wieder ist sie hier außergewöhnlichen Menschen begegnet. „Erst kürzlich habe ich einen koptischen Bischof getroffen, vor einigen Wochen eine Opernsängerin“, erzählt sie. In der engen Küche brutzeln Schnitzel in der Pfanne, schon jetzt am Vormittag ordern Gäste Heringsfilets, dazu Wodka. Mariusz und Adam arbeiten seit zehn Jahren zusammen, drei davon im Berlin-Warschau-Express. Die Gäste haben sie gut im Blick: „30 Prozent sind Touristen, 60 Prozent wegen Arbeit und Business – und 10 Prozent Zigarettenschmuggler“, schätzt Mariusz. Der Zigarettenschmuggel boomt. 735 Millionen Zigaretten stellte die Zollfahndung insgesamt im vergangenen Jahr sicher - viele davon kamen über die deutsch-polnische Grenze.</p>
<p>12:30 Uhr. Mit fünfminütiger Verspätung hält der Zug endlich am Warszawa Centralna. Ewa Szlifisz wirkt tatsächlich ausgeruht. Kein Wunder: Schließlich ist es im Berlin-Warschau-Express ein ganz klein wenig wie zuhause.</p>
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		<title>Die Grenzpendler</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jun 2006 14:51:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Radio</category>
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		<description><![CDATA[Arbeiten im Ausland - Deutsche Gastarbeiter in den Niederlanden (BmE)

WDR 5 Westblick, 23. März 2005
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]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Arbeiten im Ausland - Deutsche Gastarbeiter in den Niederlanden (BmE)<br />
</strong><br />
WDR 5 Westblick, 23. März 2005<br />
<a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads//2006/06/WDR5_Arbeiten_im_Ausland.mp3" target="blank">Audio anhören</a>
</p>
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		<title>Selbermachen schadet der Wirtschaft</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2006/radio/selbermachen-schadet-der-wirtschaft.htm</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Jun 2006 15:05:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Radio</category>
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		<description><![CDATA[Wie Do-it-youself-Bücher und Volkshochschulkurse den Mittelstand ruinieren (Glosse)

WDR 5 Westblick, 5. April 2005
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]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie Do-it-youself-Bücher und Volkshochschulkurse den Mittelstand ruinieren (Glosse)<br />
</strong><br />
WDR 5 Westblick, 5. April 2005<br />
<a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads//2006/06/WDR5_Glosse_Selbermachen_schadet_der_Wirtschaft.mp3" target="_blank">Audio anhören</a></p>
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		<title>Wie geht&#8217;s?</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Jun 2006 16:21:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[<strong>Leben in Israel</strong>

„Jugendmagazin fluter“ – Juni 2006
Von Sandra Schmid

Zwischen Bombenattentaten und Besatzung - wie lebt es sich heute in Israel? Nicole, Jonathan, Rania, Eitan, Shira und Binyamin erzählen von ihrem Alltag.

Nicole Haviv, 18 Jahre, lebt in Netanya, nördlich von Tel Aviv mit ihren Eltern und ihrem Bruder. Sie hat gerade das Abitur gemacht, im Sommer beginnt ihr zweijähriger Militärdienst. Bei einem Selbstmordattentat verlor Nicoles Familie kürzlich eine Freundin. 

<img src="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads/Fluter_Wie_gehts/Nicole_Haviv.jpg" width="150" height="150" alt="" title="" />

"Es war am 18. April, als der Selbstmordattentäter sich in einem Restaurant in die Luft sprengte. Ich war mit dem Auto unterwegs, gar nicht weit entfernt. Ich stand im Stau – wie so oft in Tel Aviv. Damals ärgerte ich mich, dass es nur langsam vorwärts ging. Heute bin ich heilfroh. Wäre ich nur ein, zwei Minuten eher an der Kreuzung gewesen, an der die Bombe explodierte, dann...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwischen Bombenattentaten und Besatzung - wie lebt es sich heute in Israel? Nicole, Jonathan, Rania, Eitan, Shira und Binyamin erzählen von ihrem Alltag.</strong></p>
<p>Jugendmagazin fluter -  8. Juni 2006 <a id="more-12"></a></p>
<p><em>Nicole Haviv, 18 Jahre, lebt in Netanya, nördlich von Tel Aviv mit ihren Eltern und ihrem Bruder. Sie hat gerade das Abitur gemacht, im Sommer beginnt ihr zweijähriger Militärdienst. Bei einem Selbstmordattentat verlor Nicoles Familie kürzlich eine Freundin.</em> </p>
<p>&#8220;Es war am 18. April, als der Selbstmordattentäter sich in einem Restaurant in die Luft sprengte. Ich war mit dem Auto unterwegs, gar nicht weit entfernt. Ich stand im Stau – wie so oft in Tel Aviv. Damals ärgerte ich mich, dass es nur langsam vorwärts ging. Heute bin ich heilfroh. Wäre ich nur ein, zwei Minuten eher an der Kreuzung gewesen, an der die Bombe explodierte, dann hätte es auch mich treffen können. Später erfuhr ich, dass unsere Haushälterin unter den Opfern war. Ein Schock. Ich bin traurig, aber ich bin auch furchtbar wütend, dass so etwas immer wieder passiert.<br />
Ich habe schon vorher Bombenattentate erlebt, ein paar Mal aus nächster Nähe. Einmal hatte jemand eine Bombe vor unserer Schule abgelegt. Oft verlasse ich morgens das Haus und frage mich, ob ich abends wieder zurückkommen werde. Ich versuche deshalb Plätze zu vermeiden, wo sich viele Menschen aufhalten, aber nicht immer ist das möglich. Ich möchte doch in die Disco gehen, oder mit meinen Freundinnen ins Kino. Mit jedem weiteren Attentat glaube ich weniger an einen Frieden mit den Palästinensern/innen. Sie sollen in ihrem Land leben, wir in unserem. Ich hasse sie nicht, aber ich will nicht mit ihnen zusammenleben.&#8221; </p>
<p><em>Jonathan, 17, geht auf eine orthodox-religiöse Privatschule in Jerusalem. Jeden Morgen steht hier das Studium des Talmud, dem bedeutendsten Schriftwerk des Judentums, auf dem Stundenplan. Erst am Nachmittag beginnt der &#8220;normale&#8221; Unterricht. Viel Freizeit bleibt ihm nicht, doch Jonathan will gar nicht anders leben. Auch wenn das heißt, am Sabbat nicht zu telefonieren, koscher zu essen und auf Sex bis nach der Hochzeit zu verzichten. </em></p>
<p>&#8220;Anfangs fand ich die Schule sehr hart: Der Unterricht ist streng, er beginnt bereits um sieben Uhr und endet erst abends. Das liegt daran, dass wir vormittags den Talmud studieren und erst nach dem Mittagessen mit Fächern wie Mathematik oder Englisch beginnen. Aber jetzt habe ich mich an den Rhythmus gewöhnt. Ich finde es sogar schön, den ganzen Tag mit meinen Freunden zusammen zu sein. Mädchen gehen übrigens nicht in meine Schule. Ich treffe sie aber manchmal auf Partys – doch berühren würde ich sie nie. Überhaupt möchte ich nur eine Beziehung zu dem Mädchen haben, dass ich dann auch heirate. Auf das Mädchen möchte ich warten, genauso wie auf Sex.<br />
Orthodox zu leben bedeutet für mich im Alltag vor allem: koscher zu essen und den Sabbat einzuhalten. Koscher zu essen heißt, milchige und fleischige Speisen getrennt zu essen. Diese Regel einzuhalten ist aufwändig. Meine Mutter hat beispielsweise mehrere Services. Also Teller, Töpfe und eigenes Besteck nur für milchige und welche nur für fleischige Speisen. Verwechseln sollte man das Geschirr auf keinen Fall, sonst muss der Teller zerschlagen oder weggeworfen werden. Bei Besteck reicht es, Messer und Gabel für ein paar Tage in die Erde zu stecken.<br />
Der Sabbat ist der Feiertag, an dem wir nicht arbeiten dürfen. Für viele Nicht-Religiöse klingt es wie eine unzumutbare Einschränkung, wenn sie hören, dass wir an diesem Tag keine elektrischen Geräte benutzen und somit auch nicht Auto fahren, telefonieren oder fernsehen. Vielleicht ist es schwer zu glauben, aber gerade wegen solcher Regeln ist der Sabbat wirklich ein entspannter Tag: Man hat viel Zeit für Familie oder Freunde. Ein typischer Sabbat sieht übrigens so aus: stundenlang gemeinsam essen und sich dabei viel erzählen.&#8221;</p>
<p><em>Rania, 23, lebt zusammen mit ihren Eltern und neun Geschwistern in Ost-Jerusalem, im palästinensischen Teil der israelischen Hauptstadt. Rania ist Christin und Palästinenserin mit israelischem Pass. Doch seit die israelische Regierung vor zwei Jahren die Grenzen zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten abgeriegelt und eine Mauer durch Jerusalem gebaut hat, ist Ranias Leben kompliziert geworden. Denn die Grenze trennt nicht nur West- von Ost-Jerusalem, sondern auch die Palästinensergebiete Ost-Jerusalems von den Palästinensergebieten der Westbank.</em></p>
<p>&#8220;Was ich über die Mauer denke? Wirklich, es fällt mir extrem schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen. Fühle ich Wut, Trauer, Hass? Sicher ist, dass meine Familie und ich uns seit dem Bau der Mauer wie Gefangene in unserem eigenen Haus vorkommen. Die Grenze ist nur wenige Meter entfernt. Ich wohne direkt am Checkpoint Beit-Hanina. Wann immer ich das Haus verlasse, ob in Richtung Westbank oder um nach Jerusalem zu fahren, ich muss mich ausweisen und die Genehmigung der israelischen Grenzposten abwarten. Manchmal lassen sie mich schnell durch, manchmal muss ich minutenlang mit ihnen diskutieren. Das macht mich jedes Mal wütend. Ich fühle mich diskriminiert und schikaniert. Aber ich habe es vergleichsweise gut, denn ich habe eine israelische Identifikationskarte. Die haben viele meiner Freunde nicht, die beispielsweise in Ramallah leben. Sie dürfen gar nicht nach Israel einreisen. Diese Grenzziehung ist eine große Ungerechtigkeit, denn oft verläuft der Zaun oder die Mauer auf unserem Land. In Jerusalem teilt sie palästinensische Siedlungen einfach in der Mitte. Straßen sind plötzlich zuende, Menschen, die vorher Nachbarn/innen waren, werden jetzt von einer acht Meter hohen Wand getrennt. Es ist verrückt. Doch trotz dieser deprimierenden Wirklichkeit würde ich mein Land niemals verlassen. Es hat mir viel gegeben, Bildung zum Beispiel. Deshalb möchte ich bleiben, helfen, eine zivile Gesellschaft aufzubauen – und endlich in Freiheit und Frieden leben.&#8221;</p>
<p><em>Eitan Lashevsky, 25, studiert in Tel Aviv Politikwissenschaft. Seine Eltern waren zwei von mehr als einer Million Einwanderern, die seit den 1970er-Jahren aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Israel immigrierten. Während sein älterer Bruder Russisch lernte, weigerte sich Eitan, mit seinen Eltern in dieser Sprache zu sprechen.</em></p>
<p>&#8220;Meine Familie immigrierte 1970 von Lettland und Weißrussland nach Israel. Als in den 1990er-Jahren eine Welle von Einwanderern aus Russland und den Ländern der Sowjetunion kam, wollte ich auf keinen Fall mit ihnen in Verbindung gebracht werden. Sie waren in der Schule nicht besonders beliebt – also weigerte ich mich Russisch zu sprechen. Aber die Abgrenzung nützte nichts, ich bekam den &#8220;Spitznamen&#8221; Boris. Heute habe ich mich mit meiner Herkunft angefreundet, sie ist ein Teil von mir. Dennoch fühle ich mich als Israeli, nicht als Lette oder Weißrusse. Der Gedanke an die Heimatländer meiner Eltern ist zu eng verknüpft mit den Erfahrungen der Diktatur und Diskriminierung, die mein Vater und meine Mutter dort gemacht haben. Meine Großeltern wurden Opfer des Holocaust, und auch nach dem Krieg wurde meine Mutter diskriminiert, weil sie Jüdin war. Früher hasste ich alle Deutschen für das, was sie den Juden angetan haben. Doch je älter ich wurde, desto klarer wurde mir, dass es Unsinn ist, die Nachgeborenen zu beschuldigen. Mir ist bewusst, wie viel Deutsche tun, um sich ihrer Geschichte zu stellen – in der Schule, in der Öffentlichkeit. Das ermöglichte es mir, überhaupt nach Deutschland zu reisen. Vor ein paar Jahren war ich drei Monate in Berlin. Ich glaube, Deutsche und Israelis müssen miteinander sprechen. Sie haben eine besondere Verbindung – gerade weil sie diese schreckliche Vergangenheit teilen.&#8221;</p>
<p><em>Shira Katiy, 28, und ihre Eltern stammen aus Jemen. Die Großeltern, beide Juden, immigrierten unmittelbar nach der Gründung des Staates Israel 1948 ins &#8220;Gelobte Land&#8221;. Wie Sanaa aussieht, die Hauptstadt Jemens und der Geburtsort ihrer Großmutter, weiß Shira nur von Fotos. Selbst dorthin zu fahren, ist für sie unmöglich. Als Israelin bekommt sie kein Visum für das arabische Land.</em></p>
<p>&#8220;Meine Wurzeln sind mir sehr wichtig: Wenn ich einmal heirate, werde ich zum Beispiel auch die &#8220;Hena&#8221; feiern. Das ist eine traditionelle jüdisch-jemenitische Zeremonie, die man zu Ehren der Braut mit Musik, Tänzen und in traditionellen Kleidern feiert. Die &#8220;Hena&#8221; symbolisiert den Abschied vom Elternhaus, aber selbst junge Frauen, die schon längst mit ihren Freunden zusammenwohnen, feiern sie. Die Geschichte der jemenitischen Juden in Israel ist keine schöne: Anfangs wurden sie wie Menschen zweiter Klasse behandelt, hatten wenig Zugang zu Ausbildung und übernahmen nur die schlecht bezahlten Jobs. Mein Vater arbeitete beispielsweise als Straßenfeger. Aufgrund der Geschichte meiner Familie habe ich viel Verständnis für andere Minderheiten in Israel, die sich noch immer nicht vollständig integriert und oft ungerecht behandelt fühlen – wie etwa die palästinensischen Israelis.<br />
Es klingt absurd, doch mit einem Palästinenser habe ich zum ersten Mal gesprochen, als ich für ein paar Monate in Italien war und dort in einem Restaurant jobbte. Dort, außerhalb Israels, konnten wir offen miteinander reden, auch über den Nahost-Konflikt. Hier wäre das nicht möglich gewesen. Ich hätte mich in seiner Gegenwart zu unsicher gefühlt.&#8221;</p>
<p><em>Binyamin Aklom, 28, lebte bis zu seinem siebten Lebensjahr in Äthiopien. Seine Eltern, äthiopische Juden, arbeiteten dort als Lehrer. Doch weil sein Vater sich in einer Organisation engagierte, die dafür kämpfte, dass die Falascha, die äthiopischen Juden, nach Israel auswandern konnten, wurde er als Verräter von der kommunistischen Regierung zum Tode verurteilt. Die Familie musste fliehen. Binyamin war einer von 25.000 Juden, die die israelische Regierung zwischen 1984 und 1991 über eine geheime Luftbrücke ins &#8220;Heilige Land&#8221; ausfliegen ließ.</em></p>
<p>&#8221; Als ich 1985 nach Israel kam, war das ein Kulturschock: Überall nur Menschen mit weißer Hautfarbe. Ich war sieben und von Israel enttäuscht. Ich hatte tatsächlich geglaubt, dass dort Milch und Honig fließen, so wie es in der Heiligen Schrift verheißen wurde. Die ersten Jahre waren schwer: Ich lebte in Petah-Tikva, nordöstlich von Tel Aviv, und fühlte mich sehr fremd. Ich hatte Probleme mich einzuleben und wurde häufig missverstanden. Ein Beispiel: In Äthiopien vermeiden junge Menschen den Augenkontakt mit älteren Leuten. Sie schlagen die Augen nieder – das ist eine Form, Respekt zu zeigen. In Israel rief das hingegen Misstrauen hervor. Man hielt mich für einen, der etwas zu verbergen hat. Solche Erfahrungen machen viele äthiopische Juden. Bis heute gibt es große Integrationsprobleme. Die Armee war eine wichtige Erfahrung für mich. Dort ist es ziemlich egal, welcher Herkunft man ist. Doch gegen Ende meines dreijährigen Militärdienstes wurde mein bester Freund im Libanon von Hisbollah-Kämpfern erschossen. Das veränderte alles. Ich wollte nur noch weg aus Israel – mich endlich sicher fühlen. Ich zog in die USA und lebte in New York. Der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 war ein Schock. In dem Moment verstand ich, dass Israel sicher kein sicherer Ort ist – und selbst die USA sind es nicht. Aber Israel ist mein Zuhause, also entschied ich zurückzukehren. Ich habe angefangen, Biologie zu studieren. Mein Traum ist es, die traditionelle äthiopische Medizin nach Israel zu bringen. Viele Menschen meinen, dass Äthiopier/innen der Welt nichts Sinnvolles zu geben haben, aber ich bin überzeugt, dass unsere Naturmedizin sehr nützlich sein kann – auch zur Behandlung von Krankheiten, für die es heute noch keine Heilung gibt.&#8221; </p>
<p><a href="http://www.fluter.de/look/article.tpl?IdLanguage=5&#038;IdPublication=2&#038;NrArticle=5128&#038;NrIssue=49&#038;NrSection=20">Artikel online lesen</a>
</p>
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		<item>
		<title>Ende der Dienstzeit in der Normannenstraße</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2006/video/ende-der-dienstzeit.htm</link>
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		<pubDate>Sat, 17 Jun 2006 20:24:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Video</category>
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		<description><![CDATA[15 Jahre Sturm auf die Stasi-Zentrale in Berlin
Videointerviews mit Zeitzeugen, Wissenschaftlern und Journalisten, Bundeszentrale für politische Bildung, Januar 2005
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]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>15 Jahre Sturm auf die Stasi-Zentrale in Berlin</strong><br />
Videointerviews mit Zeitzeugen, Wissenschaftlern und Journalisten, Bundeszentrale für politische Bildung, Januar 2005</p>
<p><a href="http://www.bpb.de/veranstaltungen/RUOJLD,0,Ende_der_Dienstzeit_in_der_Normannenstra%DFe.html">Video ansehen</a></p>
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		<title>Die Zukunft der Erinnerung</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2006/video/die-zukunft-der-erinnerung.htm</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jun 2006 15:46:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[Geschichte in Medien 
Videointerviews mit Zeitzeugen, Wissenschaftlern und Journalisten, Bundeszentrale für politische Bildung, Januar 2005
Video ansehen

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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Geschichte in Medien </strong><br />
Videointerviews mit Zeitzeugen, Wissenschaftlern und Journalisten, Bundeszentrale für politische Bildung, Januar 2005</p>
<p><a href="http://www.bpb.de/veranstaltungen/VNKC7K,0,0,Geschichte_in_Medien.html">Video ansehen</a>
</p>
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		<title>Wahltage für Olena</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jun 2006 15:33:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Text</category>
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		<description><![CDATA[„Glasklar“, Jugendmagazin des Bundestages – 13.8.2005
Von Sandra Schmid

<strong>Nach ihrem Examen im vergangenen Sommer hätte sie Urlaub machen können. Stattdessen wurde Olena Wahlkampfhelferin für Wiktor Juschtschenko, einen der Kandidaten für das Amt des ukrainischen Präsidenten. Weil sie dem politischen System misstraute, wollte sie selber die Stimmen zählen. Zu Recht: Denn es wurde manipuliert. Daraufhin färbten sich die Straßen in Kiew orange und Olena sagte ihren Sprachkurs in Deutschland ab.</strong>

„Ein Foto aus unseren Schicksalstagen“, sagt Olena und zieht ihr Notebook näher heran, das vor ihr auf dem Schreibtisch steht. Das Foto auf dem Bildschirm zeigt sie selbst in einer dicken Jacke mit Pelzkragen, die Mütze tief ins Gesicht über die braunen Haare gezogen. Olena sitzt in einem Zelt auf dem Boden. Sie schaut direkt in die Kamera. Das war im Dezember 2004, auf dem Höhepunkt der orangenen Revolution. „Das waren schöne Tage“, sagt sie. „Wir hatten zwar weniger als zehn Grad minus und es war sehr kalt da draußen. Aber hier drinnen“, Olena tippt sich mit dem Zeigefinger leicht auf die Brust, „da war es ganz warm.“ Während sie das erzählt, sitzt die 23-jährige Ukrainerin im Büro der Bundestagsabgeordneten Dagmar Schmidt in Berlin. Durch die Fenster blickt man auf die Kuppel des Reichstagsgebäudes. Olena klickt ein weiteres Foto an. Es ist ebenfalls aus dieser Zeit, als Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, tagelang in einem Ausnahmezustand war. Es zeigt Olena inmitten...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach ihrem Examen im vergangenen Sommer hätte Olena Urlaub machen können. Stattdessen wurde sie Wahlkampfhelferin für Wiktor Juschtschenko, einen der Kandidaten für das Amt des ukrainischen Präsidenten. Weil sie dem politischen System misstraute, wollte sie selber die Stimmen zählen. Zu Recht: Denn es wurde manipuliert. Daraufhin färbten sich die Straßen in Kiew orange und Olena sagte ihren Sprachkurs in Deutschland ab.</strong> </p>
<p>Glasklar, Jugendmagazin des Bundestages -  13. August 2005 <a id="more-11"></a><br />
„Ein Foto aus unseren Schicksalstagen“, sagt Olena und zieht ihr Notebook näher heran, das vor ihr auf dem Schreibtisch steht. Das Foto auf dem Bildschirm zeigt sie selbst in einer dicken Jacke mit Pelzkragen, die Mütze tief ins Gesicht über die braunen Haare gezogen. Olena sitzt in einem Zelt auf dem Boden. Sie schaut direkt in die Kamera. Das war im Dezember 2004, auf dem Höhepunkt der orangenen Revolution. „Das waren schöne Tage“, sagt sie. „Wir hatten zwar weniger als zehn Grad minus und es war sehr kalt da draußen. Aber hier drinnen“, Olena tippt sich mit dem Zeigefinger leicht auf die Brust, „da war es ganz warm.“ Während sie das erzählt, sitzt die 23-jährige Ukrainerin im Büro der Bundestagsabgeordneten Dagmar Schmidt in Berlin. Durch die Fenster blickt man auf die Kuppel des Reichstagsgebäudes. Olena klickt ein weiteres Foto an. Es ist ebenfalls aus dieser Zeit, als Kiew, die Hauptstadt der Ukraine, tagelang in einem Ausnahmezustand war. Es zeigt Olena inmitten von anderen Demonstranten.<br />
Zehntausende waren damals auf die Straße gegangen, um gegen die offensichtliche Manipulation des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl zu protestieren. Weltweit berichteten die Medien über die „orangene Revolution“, über die friedlich und ausdauernd protestierenden Ukrainer, die sich mit orangefarbenen Bändchen, Schals oder Blumen geschmückt hatten, der Farbe der Opposition.<br />
Seit März wohnt Olena Volochay in Berlin. Sie ist eine von 95 Stipendiaten, die am viermonatigen Internationalen Parlamentspraktikum des Bundestages teilnehmen. Erfahren hat sie von diesem Programm an der Uni, ihr Professor hatte sie darauf aufmerksam gemacht: „Du interessierst dich für Politik“, habe er gesagt, „wäre das nicht etwas für dich?“ Das war es. Olena bewarb sich und hatte Glück. Wenn sie in einigen Wochen in die Ukraine zurückkehrt, will sie wieder politisch arbeiten.<br />
Olena erinnert sich gut, wie es früher war. Etwa bei der letzten Präsidentschaftswahl 1999: In der Ukraine wird das Staatsoberhaupt alle fünf Jahre direkt gewählt und offiziell auch „demokratisch“, das heißt in geheimer und gleicher Abstimmung. Im Wahlkampf 1999 hatte allerdings mancher Rektor die Studenten seiner Universität verpflichtet, öffentlich für den damaligen Präsidenten Leonid Kutschma zu demonstrieren. Wer sich dieser Anordnung widersetzte, dem drohte Exmatrikulation.<br />
Diese Erfahrung, meint Olena, sei der Ursprung gewesen für den entschiedenen Protest vieler Studenten im vergangenen Jahr. Der Funke entzündete sich zwar spät, wurde aber 2004 schnell zum Flächenbrand: Zehntausende Menschen wollten weder die Wahlmanipulation akzeptieren, noch denjenigen, der davon profitiert hatte und schon wie der sichere Sieger aussah: Wiktor Janukowitsch, amtierender Premierminister und Wunschkandidat des scheidenden Präsidenten Kutschma.<br />
Olenas Favorit war ein anderer: Wiktor Juschtschenko, Oppositionsführer und Präsidentschaftskandidat des Parteienbündnisses „Nascha Ukrajina“ (Unsere Ukraine). Auf ihn setzten viele Ukrainer, besonders im Westen des Landes. Er gilt auch international als Hoffnungsträger, denn er verspricht die Demokratisierung des ehemals sowjetischen Landes, das nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 nur langsam politisch und wirtschaftlich auf die Beine kam. Noch heute verfügen einzelne Wirtschaftsmagnaten über großen Einfluss und Korruption gehört zum Alltag.</p>
<p>„Leistung und Fähigkeiten zählen wenig, wenn man nicht die richtigen Beziehungen hat“, sagt Olena empört. Die Löhne sind bis heute niedrig im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Und oft werden sie nur unregelmäßig gezahlt. Weitergehen konnte es so nicht, meint Olena. Sie wollte etwas tun, „damit ich einmal meinen Kindern in die Augen sehen kann und weiß, dass ich alles getan habe, damit sie eine bessere Zukunft haben.“<br />
Dieses Gefühl, dass etwas nicht richtig läuft im eigenen Land, kennt Olena seit langem. Beim Reaktorunfall in Tschernobyl war sie vier Jahre alt. Wie viele andere Kinder, die im Umkreis von 30 Kilometern wohnten, reiste sie mit internationaler Hilfe mehrfach zur Erholung ins Ausland. So verbrachte sie 1996 und 1997 mehrere Wochen in Süditalien, nahe Salerno. Dort bemerkte sie erst, wie hart das Leben zu Hause ist: In Italien waren die Läden voll mit Waren und auf den Feldern erleichterten moderne Maschinen die Arbeit. „Das war ein anderes Leben, als ich es kannte“, sagt Olena. Eines, das sie auch für die Menschen in der Ukraine wünschte.<br />
Im Juni 2004 meldete sie sich als Wahlkampfhelferin für Wiktor Juschtschenko. Sie hatte gerade ihr Germanistikstudium an der Taras-Schewtschenko-Universität abgeschlossen. Olena gehörte zu einem 15-köpfigen Wahlkampfstab in der Region Iwankiv, nahe Kiew. Dort ist sie aufgewachsen, die Mutter und die neun Jahre ältere Schwester wohnen noch immer in dem 1.000-Seelen-Dorf namens Orane.</p>
<p>Olenas Engagement stieß dort nicht nur auf Zustimmung. Dass sie Werbematerial wie die Wahlkampfschrift „Tak!“ (Ja!) verteilte, gefiel denen, die für Janukowitsch waren, überhaupt nicht. Es kam vor, dass ihre Mutter auf der Straße angesprochen und gedrängt wurde, etwas dagegen zu tun. Olena solle aufhören für Juschtschenko zu arbeiten. Ihr wurde es unheimlich: „Ich fühlte mich von den Menschen dort fast bedroht“, sagt sie. Doch ihre Mutter und ihre Schwester standen zu ihr, behaupteten einfach, dass sie nichts tun könnten – Olena mache ohnehin das, was sie wolle, sagten sie.<br />
Und das stimmte sogar. Olena machte weiter, arbeitete bis zum Herbst fast täglich im Wahlkampfteam, nur zweimal in der Woche fuhr sie nach Kiew und gab Deutschunterricht, um Geld zu verdienen. Für die Wahl am 31. Oktober 2004 ließ sie sich für die Wahlkommission im Ort nominieren. „Ich habe es förmlich gerochen, dass auch in unserem Wahlkreis manipuliert werden sollte“, erinnert sie sich.<br />
Olena war klar: Dagegen konnte sie nur etwas tun, wenn sie bei der Kommission mitarbeitete. Denn nur so konnte sie die Stimmabgabe im Wahllokal beobachten und auch die Stimmen mit auszählen. Und sie setzte am Ende ihre Unterschrift auf das Protokoll und bestätigte so, dass die Wahl korrekt verlaufen ist. Tatsächlich gab es Versuche, die Stimmen älterer Menschen, die nicht zum Wahllokal kommen konnten, zu fälschen. In Orane ging es gut. Massive Fälschungen fanden nicht statt und Juschtschenko wurde Wahlsieger. Doch insgesamt war der Wahlausgang eng. Olena wartete gespannt auf das Ergebnis. Sie hatte schon Pläne für die Wochen nach der Wahl. Nach Konstanz sollte es gehen, zu einem Deutschkurs, den sie bereits bezahlt hatte. Auch das Visum war beantragt und die Flugtickets gekauft.<br />
Es kam ganz anders. Die Wahl führte zu keinem klaren Ergebnis: Die Kontrahenten Juschtschenko und Janukowitsch lagen fast gleich auf, so dass ein weiterer Wahlgang notwendig wurde. Die Stichwahl wurde auf den 21. November gelegt. Statt nach Deutschland fuhr Olena direkt nach der Stichwahl nach Kiew. „Hier ging es um unser Schicksal, da konnte ich doch nicht wegfahren“, sagt sie. Übernächtigt von der Auszählung der Stimmen, die bis spät in die Nacht gedauert hatte, wollte sie mit ihren Freunden auf die Bekanntgabe des Ergebnisses warten.<br />
Sie trafen sich am Platz der Unabhängigkeit. Auch Juschtschenko wurde dort erwartet. Viele Menschen hatten sich versammelt und man redete über die Wahl. Nachrichten machten die Runde: Janukowitsch sei neuer Präsident und nicht, wie alle Umfragen vorher ermittelt hatten, Juschtschenko. Der zweite Wahlgang sei manipuliert worden, erzählten sich die Menschen.<br />
Schnell formierte sich Protest auf den Straßen. Ausländische Berichterstatter waren fasziniert und überrascht zugleich. Doch die Opposition hatte sich darauf vorbereitet: „Uns war klar, dass wir auf die Straße gehen würden, sollte die Wahl manipuliert worden sein“, sagt Olena. Und als Wiktor Juschtschenko bei seinem Auftritt sagte, dass es „Zeit sei, Gerechtigkeit einzufordern“, wussten alle, was das bedeutete.<br />
Olena und ihre Freunde organisierten Zelte und verabredeten Schichten, wie lange jeder die Stellung halten sollte. „Immer acht Stunden, dann wurde gewechselt“, erzählt sie. Täglich wuchs die Unterstützung: Geschäftsleute, Teile der Polizei und der Verwaltung solidarisierten sich mit den Demonstranten. Der Bürgermeister sorgte für Elektrizität in der Zeltstadt, die sich auf dem Platz der Unabhängigkeit gebildet hatte, Geschäftsleute sammelten Geld für Medikamente und viele Bürger brachten Essen oder warme Kleidung.<br />
Für Olena sind diese zehn Tage zwischen der Stichwahl und der Anerkennung des Wahlbetrugs durch das Oberste Gericht vor allem eines: Tage der Solidarität. „Ich hätte nie gedacht, dass die Menschen in Kiew so zueinander sein können“, sagt sie und die Euphorie in ihrer Stimme ist unüberhörbar. Olena berichtet von alten Frauen, die, obwohl selbst fast mittellos, den Demonstranten Wurstbrote oder gekochte Kartoffeln brachten oder selbst gestrickte Schals. War die „orangene Revolution“ eine geschickte Medieninszenierung? Auf diesen Vorwurf reagiert Olena mit Unverständnis. Dass viele Menschen in der Ukraine auch Angst haben, durch politische Veränderungen etwas zu verlieren, kann sie aber verstehen. Auch, dass man einfach anderer Meinung sein kann. Doch die Revolution als bloßes Medienereignis abzutun, das begreift sie nicht. „Das sagen nur die, die nicht dabei gewesen sind“, sagt Olena achselzuckend. Sie ist dabei gewesen.</p>
<p><a href="http://www.bundestag.de/blickpunkt/108_Glasklar/060_global/02/02_0502010.html">Artikel online lesen</a>
</p>
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		<title>Schäfchen zählen</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2006/text/schafchen-zahlen.htm</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jun 2006 15:23:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
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		<description><![CDATA[<strong>In einer kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern steht einjunger Pfarrer vor einer großen Aufgabe: Menschen für den Glauben zu interessieren.</strong>

„Jugendmagazin fluter“ – Dezember 2004
Von Sandra Schmid

Als ich gehört habe, dass ich Pfarrer in dieser Gemeinde werden soll, war ich geschockt“, sagt Mathias Kretschmer und schaut aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. Diese Gemeinde – damit meint der 33-Jährige eigentlich drei Gemeinden: Staven, Neddemin, Neuenkirchen. Elf Kirchen, verstreut auf mehr als 25 Quadratkilometern in einer Ecke Deutschlands, in die kein Zug und kein Bus mehr fährt: Mecklenburg-Vorpommern, nordöstlich von Neubrandenburg. Wer dorthin will, der wohnt dort – und hat ein Auto. Mathias bat um Bedenkzeit und schaute sich die Gemeinden erst mal an. Das Leben auf dem Land, die Bodenständigkeit der Leute – Mathias gefiel, was er sah. Also sagte er ja. Außerdem wollte er sich auch nicht gegen die Weisung des Bischofs sträuben, obwohl es möglich gewesen wäre, sagt er. ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In einer kleinen Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern steht ein junger Pfarrer vor einer großen Aufgabe: Menschen für den Glauben zu interessieren.</strong></p>
<p>Jugendmagazin fluter – Dezember 2004 <a id="more-9"></a></p>
<p>Als ich gehört habe, dass ich Pfarrer in dieser Gemeinde werden soll, war ich geschockt“, sagt Mathias Kretschmer und schaut aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. Diese Gemeinde – damit meint der 33-Jährige eigentlich drei Gemeinden: Staven, Neddemin, Neuenkirchen. Elf Kirchen, verstreut auf mehr als 25 Quadratkilometern in einer Ecke Deutschlands, in die kein Zug und kein Bus mehr fährt: Mecklenburg-Vorpommern, nordöstlich von Neubrandenburg. Wer dorthin will, der wohnt dort – und hat ein Auto. Mathias bat um Bedenkzeit und schaute sich die Gemeinden erst mal an. Das Leben auf dem Land, die Bodenständigkeit der Leute – Mathias gefiel, was er sah. Also sagte er ja. Außerdem wollte er sich auch nicht gegen die Weisung des Bischofs sträuben, obwohl es möglich gewesen wäre, sagt er. </p>
<p>Eineinhalb Jahre ist das nun her, seitdem lebt der gebürtige Brandenburger in Staven, wo auch das Pfarramt der drei Gemeinden ist. Es ist die erste Entsendungsstelle von Mathias – das heißt, er ist zum ersten Mal als Pfarrer verantwortlich für eine Gemeinde. Rund 400 Einwohner hat Staven, viele davon haben keine Arbeit, die meisten sind schon alt. Ein paar Kinder gibt es, wer jung ist und Arbeit sucht, verlässt die Gegend. Die meisten gehen in den Westen, nach Hamburg oder Bremen. </p>
<p>Auf der Dorfstraße in Staven ist es ruhig. Die einzige Kneipe im Ort, gleich neben der Kirche, hat schon vor Jahren geschlossen. Über der Tür hängt noch das zerbrochene Schild mit dem Namen der Kneipe: „Suffas Bierstuuw“. Suffa hieß der Besitzer. „Die Leute haben kein Geld mehr, dorthin zu gehen“, sagt Mathias, „es ist billiger, einen Kasten Bier zu kaufen.“ Billiger – und anonymer. Viele in der Gegend haben ein Alkoholproblem. </p>
<p>Mathias würde gerne etwas dagegen unternehmen. Man müsste mit den Leuten in Kontakt kommen, meint er und es klingt wie laut gedacht. Überhaupt scheint seine Hauptaufgabe zu sein, Kontakte zu knüpfen. Von selbst suchen ihn nur die wenigsten: 750 Mitglieder bei insgesamt 5000 Einwohnern hat die evangelische Kirche in Mathias Kretschmers Gemeinden, doch häufig bleiben die Kirchen am Sonntag fast leer. Wenn acht oder zehn Personen kommen, ist der Pastor schon froh, oft sind es weniger. Dann ist er enttäuscht: „Warum bereite ich sechs Stunden lang eine Predigt vor, wenn dann nur drei Leute in der Kirche sitzen?“ Wird die Enttäuschung zu stark, nimmt er sich sein Fahrrad und fährt über Land oder zum Tollensesee, wo sein Segelboot liegt. Frust abbauen, auf andere Gedanken kommen. Er weiß, dass die Bindung an die Kirche im Osten Deutschlands schwach ist. Die DDR-Zeit hat Spuren hinterlassen. „Die haben es wirklich geschafft, den Leuten einzuimpfen, die Kirche sei etwas Schlechtes“, sagt Mathias. Viele hätten Angst, in die Kirche zugehen. Warum, darüber kann er aber nur spekulieren: „Vielleicht fürchten sie, dass etwas Magisches passiert, dass sie die Kontrolle verlieren und fremdbestimmt werden?“. Mathias akzeptiert es, wenn jemand nicht glaubt oder eine andere Überzeugung hat. Nur wenn jemand gegen die Kirche ist, ohne zu wissen, warum, macht ihn das wütend. Und er versteht es nicht, wenn Menschen sich keine Gedanken über ihr Leben machen, „wenn sie nur interessiert, was es zum Essen oder im Fernsehen gibt“. Er selbst kann sich nicht vorstellen zu leben, ohne über Sinn und Zweck des Lebens nachzudenken. „Sonst könnte man doch auch ein Tier sein“, sagt er. Der Glaube spielt für ihn dabei die entscheidende Rolle. „Es ist eine Art Urvertrauen, dass ich getragen und beschützt werde“, sagt er. </p>
<p>Dieses Urvertrauen fand er, als es in seinem Leben drunter und drüber ging. Mathias war 17, besuchte die 11. Klasse, als die Wende kam: „Alles war plötzlich so ungewiss, dass die Spannung kaum auszuhalten war“, erinnert er sich. Halt bot da besonders ein Pfarrer und die Gemeinschaft mit anderen in seinem Alter – die Junge Gemeinde. Für ihn, der sich noch wenige Jahre zuvor im Konfirmandenunterricht gelangweilt hatte, war das „wie Heimat“. Deshalb bemüht sich Mathias jetzt um eine Gemeinde, in der Menschen im Kontakt sind, miteinander leben, diskutieren, Sorgen teilen – und in der auch er als Pfarrer teilhat. „Ich möchte einfach dazugehören“, sagt er. Er scheint auf dem richtigen Weg zu sein, zumindest Gedanken macht man sich in der Gemeinde über den jungen Pfarrer: „Als ich meine Freundin noch nicht kannte, haben sie sich Sorgen gemacht, dass ich allein sein könnte“, erzählt Mathias, „und gleich versucht, mich zu verkuppeln.“ Unermüdlich fährt Mathias von Dorf zu Dorf, jeden Tag mehr als 50 Kilometer. Er initiiert Hauskreise, in denen Menschen über Fragen des Lebens und Glaubens diskutieren. Er kümmert sich um Sommerfeste, trifft sich zum Singen mit den Alten, baut mit Jugendlichen den Dachboden des Pfarramtes aus, damit sie sich dort wohl fühlen, und kann bei all der Anstrengung nur hoffen, dass der Funke überspringt.</p>
<p>Inzwischen sieht es so aus, als würde das klappen: Auch wenn die Gottesdienste noch immer fast leer bleiben, das persönliche Gespräch mit ihm suchen die Menschen doch. Festmachen kann Mathias das an der Post, die er bekommt: Auf der letzten Seite des Gemeindesbriefs gibt es einen Abschnitt, den man einschicken kann, um einen Termin mit dem Pfarrer zu vereinbaren. In den letzten Wochen findet Mathias diesen Abschnitt häufiger im Briefkasten.</p>
<p><a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads/Sch%C3%A4fchen%20z%C3%A4hlen.pdf" title="">Fluter-Seite als PDF</a>
</p>
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		<title>Der Jugend auf der Spur</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2006/video/der-jugend-auf-der-spur-ideen-fur-jugendmedien.htm</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Jun 2006 20:22:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Video</category>
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		<description><![CDATA[Ideen für Jugendmedien
Videointerviews mit Journalisten über Konzepte, Themen und Formate , Bundeszentrale für politische Bildung, Oktober 2004
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ideen für Jugendmedien</strong><br />
Videointerviews mit Journalisten über Konzepte, Themen und Formate , Bundeszentrale für politische Bildung, Oktober 2004</p>
<p><a href="http://www.bpb.de/veranstaltungen/7AA3A3,0,0,Jugend_und_Medien.html">Video ansehen</a>
</p>
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		<title>Fünf nach Zwölf in Bhopal.</title>
		<link>http://www.sandraschmid.de/wordpress/2006/radio/funf-nach-zwolf-in-bhopal.htm</link>
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		<pubDate>Tue, 06 Jun 2006 15:16:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra</dc:creator>
		
	<category>Radio</category>
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		<description><![CDATA[Die größte Giftgaskatastrophe unserer Zeit - Buchtipp (B)

Deutsche Welle, Januar 2005
Audio anhören

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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die größte Giftgaskatastrophe unserer Zeit - Buchtipp (B)<br />
</strong><br />
Deutsche Welle, Januar 2005<br />
<a href="http://www.sandraschmid.de/wordpress/wp-content/uploads//2006/06/dw_Buchtipp_Fünf_nach_zwölf_in_Bhopal.mp3" target="_blank">Audio anhören</a>
</p>
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